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Die drei jungen Männer hatten im Irak Clownerie studiert und waren Mitglieder der Happy Family Clowns, einer Gruppe von vierzig Clowns, die im Irak für Kinder auftraten. Nach Ausbruch des Krieges floh die Hälfte der Gruppe in?s Ausland, die verbleibenden Clowns erhielten anonyme Drohungen, sie sollten alle Aktivitäten einstellen. Obwohl Milizen im März 2005 den Übungsort der Clowns niederbrannten, trat die Gruppe vorerst weiterhin auf.

Erst als zwei Mitglieder der Happy Family Clowns getötet wurden, stoppten sie alle Shows. Rahman, Seif und Ali flohen nach Damaskus. Heute arbeiten sie als Clowns im UNHCR Registrationszentrum für Flüchtlinge in Damskus, wo sie die Wartezeit der Kinder mit ihren Auftritten verkürzen. Trotz allen Anstrengungen, im Irak die Sicherheit zu verbessern, leben noch heute zirka eine Million irakischer Flüchtlinge in Syrien.

Gestrandet in der Wüste

Seit zwei Jahren harren zirka dreitausend palästinensische Flüchtlinge in Zeltlagelagern an der syrisch-irakischen Grenze aus. Island und Schweden haben einige Flüchtlingen Asyl gewährt. Auch im Sudan sollen Migranten vorübergehend Zuflucht finden. Die meisten werden jedoch weiterhin in den Zeltlagern ausharren müssen, ohne Beschäftigung und ohne Sicherheit.Seit zwei Jahren harren zirka dreitausend palästinensische Flüchtlinge in Zeltlagelagern an der syrisch-irakischen Grenze aus. Island und Schweden haben einige Flüchtlingen Asyl gewährt. Auch im Sudan sollen Migranten vorübergehend Zuflucht finden. Die meisten werden jedoch weiterhin in den Zeltlagern ausharren müssen, ohne Beschäftigung und ohne Sicherheit.

Tausende Palästinenser flohen nach dem ersten israelisch-arabischen Krieg 1948 aus Palästina in den Irak. Später unterstützte sie Saddam Hussein mit Privilegien. Nach dem Sturz des Diktators wurden die Palästinenser Opfer von Gewalt und anti-palästinensischen Ressentiments. Eine Gruppe von 350 Palästinensern floh im Mai 2006 an die syrische Grenze, doch die Syrer, die bereits einer Million Irakern Zuflucht geboten hatten, verweigerten den Palästinensern den Zutritt: Man dulde bereits 450 000 palästinensische Flüchtlinge von 1948, und dann noch die Iraker, das Boot sei voll, es sollten sich gefälligst andere Länder um die Palästinenser kümmern. So strandeten diese Flüchtlinge im Niemandsland zwischen der irakischen und syrischen Grenze, wo sie im al-Tanf Flüchtlingslager vom Uno-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), vom Kinderfonds der Uno (UNICEF), vom Palästinensischen Roten Halbmond und diversen palästinensische Parteien mit dem Nötigsten versorgt wurden.

Jetzt, über zwei Jahre später, sind sie noch immer im Niemandsland, an diesem menschenfeindlichen Ort, wo ihnen extreme Wüstentemperaturen, Skorpione und Schlangen das Leben schwer machen.

Zwei Kilometer hinter dem Niemandsland im Irak befindet sich ein zweites Flüchtlingslager. Dort, in al-Walid, leben heute fast zweitausend palästinensische Flüchtlinge. Ein paar Dutzend von ihnen erreichten die Grenze im Oktober 2006. Sie wurden nicht mehr ins Niemandsland gelassen und vorerst von einem irakischen Scheich versorgt. Der Flüchtlingsstrom brach nicht ab, so dass das Uno Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ein Zeltlager aufbauten. Das IKRK schickt täglich Lastwagen mit Wasser ins Wüstenlager und versorgt die Flüchtlinge mit Medikamenten. Das UNHCR verteilt Reis, Zucker, Büchsennahrung und einmal im Monat Gemüse. Doch die meiste Zeit sind die Flüchtlinge sich selbst und ihrer Langeweile überlassen.

Im April dieses Jahres hatte das Warten für 117 Flüchtlinge aus al-Tanf trotzdem ein Ende. Chile gewährte ihnen Asyl. Schnell verbreitete sich die Nachricht, und jene Palästinenser, die mit falschen irakischen Papieren nach Damaskus geflohen waren, denunzierten sich freiwillig bei der syrischen Polizei. Sie wurden nach al-Tanf transportiert, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Im Juli nun hat Schweden versprochen 155 Flüchtlinge, vor allem Familien, aus den zwei Lagern aufzunehmen und Island hat zwei Dutzend Frauen aus al-Walid, ausschliesslich Witwen mit Kindern, Asyl gegeben. Die meisten Flüchtlinge werden es jedoch allenfalls nach Sudan schaffen. Denn Mitte Juli hat eine sudanesische Delegation das Lager besucht und 2000 Flüchtlingen temporäres Asyl angeboten. Bei den meisten Lagerinsassen kommt diese Chance schlecht an. ?Von einer Wüste in die nächste? Nein danke!?, lautet der lakonische Kommentar. Sudan, arm und politisch instabil, wäre sowieso nichts weiter als eine Übergangsstation, bis Ländern gefunden würden, die den Flüchtlingen dauerhaften Aufenthalt böten. Das UNHCR, froh um ein Land, das so viele Flüchtlinge aufzunehmen gewillt ist, hat jedoch bereits ein technisches Team nach Khartum geschickt. Im ersten Quartal 2009 könnten die ersten umgesiedelt werden. Im UNHCR sagt man zwar hinter vorgehaltener Hand, die beste Lösung wäre, die Flüchtlinge nach Syrien zu bringen, aber noch übt sich die syrische Regierung in Zurückhaltung. Man wartet. Dabei werden die Flüchtlinge immer müder, manche sind bereits lebensmüde oder verrückt geworden von der Hitze, dem Nichtstun, der Hoffnungslosigkeit.

 

Karin Wenger, Damaskus