Afghanistan
September 2008
Deutschland zahlt Kompensation 03.09.08// Reuters. Das Verteidigungsministerium bestätigt die Zahlung von Kompensation an die Familie der afghanischen Frau, die von Bundeswehr soldaten erschossen wurde. Die Frau und zwei Kinder wurden an einem Checkpoint bei Kunduz erschossen. Sie befanden ich in einem Wagen, die aufgefordert wurden zu stoppen, was sie auch taten. Als ein Wagen sich unaufgefordert in Bewegung gesetzt hätte, wären Warnschüsse abgegeben worden. Das Verteidigungsministerium ist der Auffassung, dass die Zahlung kein Schuldeingeständnis wäre. 3500 Soldaten sind derzeit in Afghanistan für die NATO. 12 Soldaten wurden bis jetzt getötet, 16 weitere wären bei Unfällen gestorben.
Entwicklungspolitische Offensive statt Militär 02.09.08// Pressemitteilung von Medico-International. Medico verweist auf die Verschlechterung der Sicherheitslage und die dadurch eingeschränkte Minenräumung. „Allein in der Provinz Paktia, südöstlich von Kabul, an der Grenze zu Pakistan, wurden die Minenräumteams der afghanischen medico-Partnerorganisation Mine Detection and Dog Center (MDC) innerhalb der letzten zweieinhalb Monate viermal überfallen oder entführt. Die letzte Entführung ereignete sich am 20.08.2008. Dreizehn Minenräumer wurden auf dem Weg zur Arbeit von unbekannten Bewaffneten, in einem von Taliban kontrollierten Gebiet, verschleppt. Zurzeit befinden sich noch sechs MDC-Mitarbeiter in der Gewalt der Entführer. Auch die Arbeit der für Minenräumung zuständigen UN-Organisation UNMACA (United Nations Mine Action Center for Afghanistan) ist durch die zunehmende Gewalt behindert. Ein Komplex zur Akkreditierung der Minenspürhunde am Rande der Provinz Kabul musste Ende August geschlossen werden, nachdem er von Bewaffneten angegriffen und teilweise zerstört worden ist....An eine Verbesserung der Sicherheitslage durch die Ausweitung des militärischen Engagements glaubt medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer nicht: "Es wurden zu viele Fehler gemacht. Die von erschreckender Unkenntnis und Eigennutz geprägte Intervention hat viel Schaden angerichtet. Es ist höchste Zeit für einen Strategiewechsel."
August 2008
30.08.08// AFP. Ein afghanischer Politiker sagte gegenüber afp, dass er nach dem Angriff der Luftwaffe geholfen hätte die Körper von verschütteten Frauen und Kindern auszugraben. Er sprach von ungefähr 90 getöteten Zivilisten. Die US-Koalition sprach von 25 Taliban und 5 Zivilisten. Naik Mohammad Ishaq, “provincial councillor“: „Ich sah mit meinen eigenen Augen die toten Körper von 50 Jungs und Mädchen unter 15 Jahren. Ich sah 19 Frauen und sieben Männer. Ich half den örtlichen Kräften sie unter dem Dreck und Staub auszugraben.“
Drohende Katastrophe im Winter 29.08.08// Reuters. Afghanistan braucht Hilfe, um eine humanitäre Krise diesen Winter abzuwenden. Millionen werden Bedingungen erleben, die es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben hat. So die britische Hilfsorganisation Oxfam. Letzten Winter starben ungefähr 1000 Menschen. Die internationale Gemeinschaft müsse sich jetzt auf den Winterausbruch vorbereiten. Max Waldman von Oxfam: „Die Menschen könnten dazu gezwungen sein ihr Hab und Gut zu verkaufen und ihre Häuser und Dörfer zu verlassen, was zu einer weiteren Instabilität führen könnte.“
Wütende Stimmung 26.08.08 Das afghanische Kabinett fordern Änderungen bezüglich der Regeln für die internationalen Truppen, nachdem 90 Zivilisten bei einem US-Angriff getötet wurden. Es sollen keine Lufteinsätze mehr in zivilen Gebieten stattfinden, keine illegale Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Gemäß UNO-Berichten ist das die höchste Zahl von Zivilisten bei internationalen Militäraktionen. Eine US-Stellungnahme: Dies alles wäre nicht geschehen, wenn es in Afghanistan mehr Soldaten gebe.
Die Taliban vor Kabul 23.08.8// timesonline.co.uk – Die Lastwagenfahrer, die das Pepsi und das Benzin für die NATO-Truppen nach Kabul bringen haben ihre eigene Methode das Vordringen der Taliban in Richtung Kabul zu kalkulieren: Sie zählen einfach die zerstörten Lastwagen, die an der Straße liegen. Diese und andere Maßnahmen lassen die Stadt wie unter Belagerung erscheinen, denn die Taliban unterbrechen die Hauptstraßen und taktieren wie damals gegen die Briten (1841) und gegen die Sowjets. Die Straße von Kabul nach Kandahar ist noch gefährlicher, so die Fahrer. Trotz der Anwesenheit von 70 000 Soldaten, sind die Taliban dieses Jahr näher nach Kabul gerückt und halten Gebiete außerhalb der Stadt, wie Maydan Shar, der Stadt der Wardak-Provinz, 20 Meilen südwestlich von Kabul. „Kabul ist empfindlich gegen Blockaden, weil es umgeben ist von Bergen und seine Lebensmittel über drei Straßen einführen muss, vom Norden, Südwesten und Osten. Die Briten haben während der Belagerung von Kabul 1841 dies erleben müssen. Dokumentiert ist dies von Lady Florentia Sale im: A Journal of the Disaster in Afghanistan. ‚Khojeh Meer sagt, dass er keinen Weizen mehr hat,‘ schrieb sie am 3. Dezember, 1841. ‚Er sagte auch, dass die Mollahs in allen Dörfern agitieren und die Leute mit einem Bann belegen, wenn sie mit den Briten zusammenarbeiten und dass die muslimische Bevölkerung wie ein Mann gegen uns ist.‘ Einen Monat später begannen die Briten sich aus Kabul zurückzuziehen.“
Je Opfer 2000 Dollar 22.08.08// Newsantiwar.com. Einen Tag nach dem US-Luftangriff in der Laghman-Provinz, bei dem mindestens 20 Zivilisten getötet wurden, fand ein noch größerer Vorfall in der Herat-Provinz statt. In einem US-Bericht hieß es gestern, dass 30 Militante eingeschlossen ein al-Qaida-Kommandeur, getötet wurden. Das afghanische Verteidigungsministerium berichtete, dass mehrere Häuser zerstört wurden und unter den Toten auch Zivilisten waren. Was US-Verantwortliche verneinten. Kurz Zeit später gab das Innenministerium eine Stellungnahme heraus, in der es hieß, dass 76 Menschen, alles Zivilisten, bei dem Angriff getötet wurden. Unter den Toten befanden sich sieben Männer, 19 Frauen und 50 Kinder unter 15 Jahren. Der Independent zitiert das Ratsmitglied, Saee Sharif, der sagte, dass die Opfer „einer Koranrezitation beiwohnten“, als das Bomben begann. Ein amerikanischer Kommandeur sagte, dass er beschämt sei und dass eine Kompensation gezahlt würde: für jede Familie, die ein Opfer zu beklagen hat 2000 Dollar.
Sarkozy in Afghanistan 20.08.08// The Independent.co.uk. Im Frühjahr gab der französische Präsident Nicolas Sarkozy bekannt, dass er Hunderte von weiteren Soldaten nach Afghanistan bringen wolle. Eine Entscheidung die extrem unpopulär war. Deshalb unterbrach er jetzt nach dem Anschlag auf die französischen Soldaten seinen Urlaub an der französischen Riviera und flog nach Kabul zu den Truppen. Es war die tödlichste Attacke auf franzöisches Militär seit dem Angriff in Beirut 1983, bei dem 58 Fallschirmspringer umkamen. Sarkozy meinte, dass Frankreich weiterhin die NATO-Aktion unterstützen werde.
Und er kandidiert doch! 20.08.08// AP . Präsident Hamid Karzai sagte, dass er bereit wäre nächstes Jahr anzutreten für eine Wiederwahl. Er hätte den Job noch nicht beendet. "So I have a job to do, a job to complete. In that sense, yes, I would like to run."
2007: 232 getötete ausländische Soldaten 19.08.08// The New York Times. Der Angriff auf die Franzosen nördlich von Kabul war der stärkste Verlust von ausländischen Soldaten seit der US-Invasion 2001. Vor dem Angriff wurden 173 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet. Darunter 99 Amerikaner. 2007 wurden 232 ausländische Soldaten getötet. Die höchste Zahl seit Kriegsbeginn 2001. In der Ostprovinz Khost, wurde Camp Salerno angegriffen, drei Amerikaner wurden verwundet und sechs von den Afghan Special Forces.
Rückzug des afghanischen Militärs 16.08.08// dailytimes.com.pk. Soldaten der afghanischen Armee zogen sich, nach tagelangen Kämpfen mit den Taliban, aus einem entlegenen östlichen Bezirk von Ghazni zurück und überließen den Taliban das Feld. Zabihullah Mujahed, Sprecher der Taliban: „Die Regierungstruppen haben sich aus dem Bezirk Nawa zurückgezogen…der Distrikt befindet sich jetzt unter Kontrolle der Mujahedin.“.Der Sprecher des Innenministeriums, Zemarai Bashary, bestätigte dies, ohne jedoch Details preiszugeben. Der Stellvertreter des Provinzgouverneurs, Mohammed Kazim Allah Yar, sagte, dass es noch nicht bekannt sei, warum die Sicherheitskräfte sich zurückgezogen hätten. Laut afp hätte sich das Militär nach zwei wöchigen Kämpfen mit den Taliban auch aus Stützpunkten im Distrikt Nad Ali zurückgezogen (Provinz Helmand). Die Taliban erklärten ebenfalls, dass der Distrikt unter ihrer Kontrolle sei.
Verschwindet aber zahlt für die Schäden 02.08.08// Dailytimes.com.pk - Ittehad Ulema-e-Afghanistan, eine Organisation afghanischer Ulama (religiöse Gelehrte) und Flüchtlinge, haben die USA aufgefordert, ihre Niederlage in Afghanistan einzugestehen und die NATO-TRuppen aufzufordern sofort das land zu verlassen. Die Afghanen wären fähig, ihre Heimat selbst wieder aufzubauen. Sie übermittelten Bush drei Forderungen: Eingestehen der Niederlage, Rückzug der US- und alliierten Truppen und Zahlung einer Abfindung an die afghanische REgierung für das Töten von Tausenden von Menschen und das Zerstören ihrer Häuser und ihres Eigentums. „Lassen Sie die Afghanen frei und geben Sie ihnen die Möglichkeit ihr Land wieder aufzubauen“.
Juli 2008
Erster Gefangener in Guantanamo, der ein Militärverfahren bekommt 31.07.08// The New York Times. Ein geheimes Regierungsdokument, das dem Gericht (der erste Gefangene in Guantanamo, der vor ein Kriegsgericht kommt) vorgelegt wurde, bezeugt, dass der Gefangene während des Verhörs (er wurde von einem weiblichen Regierungsbeamten verhört) sexuell gedemütigt wurde. Dies trug sein Verteidiger vor. Der Gefangene ist Salim Hamdan. Der Anwalt Harry H. Schneider Jr. sagte vor Gericht, dass Mr. Hamdan „right on the money“ war, was seine Beschreibung der weiblichen Person, die ihn verhörte betrifft. Die Verhörspezialistin der US-Regierung hat physischen Kontakt mit Hamdan, in einer Art, die ein muslimischer Mann als unerträglich finden würde. Der Staatsanwalt meinte, dass es keine Beweise für Nötigung gebe. Staatsanwalt John Murphy: „It casts a sort of black cloud over the agents and those who work with detainees, and what’s been put forth doesn’t show it.”
Wer ist der Taliban? 20.07.08// yahoo.com (reuters). In Anar Dara, Farah Provinz, kämpften ausländische Truppen gegen afghanische Polizisten oder umgekehrt. Beide Seiten hätten sich gegenseitig für Taliban gehalten, so der stellvertretende Provinzgouverneur, Mohammad Younus Rasuli. Es wurden neun Polizisten getötet, vier weitere verwundet. Dies wird die Auffassung der Afghanen bestärken, dass sich die internationalen Truppen nicht darum kümmern, ob Unschuldige umkommen oder nicht. Bei einem Mörserangriff der ISAF im Barmal-Distrikt (Provinz Paktia) wurden vier afghanische Zivilisten getötet. Die ISAF „deeply regrets this accident“. Eine Untersuchung wurde eingeleitet.
Irans Aktivitäten in Herat 17.07.08// Bloomberg.com –“Die Flaggen des Iran, Afghanistans und und dem in Teheran und Afghanistan ansässigen Unternehmens Abad Rahan Pars Road & Construction Co. flattern über einem Arbeitscamp westlich von Heart.“ Im Stil eines Wüstenforts wird hier gebaut, soll Mashad im Iran mit Herat in Afghanistan (200 Meilen) verbunden werden. 2006 hat die gleiche Gesellschaft schon eine Autobahn gebaut und Elektrizitätsdrähte, die Irans Elektrizität nach Herat (350 000 Einwohner) bringen. „Jeden einzelnen Tag versucht Iran mehr Einfluss zu gewinnen, und wo Geld ist, da ist auch politische Macht“, sagt Masoued Sana, Direktor des Herat Chamber of Commerce's international relations. Zalmay Khalilzad (dem nachgesagt wird, dass er Ambitionen auf den Präsidentenposten in Kabul hat), zur Zeit US-Botschafter bei der UNO, sagte in einem Interview, dass wenn der Iran wegen seines Atomprogramms angegriffen wird, „könnte er uns (in Afghanistan) das Leben schwer machen." Auf jeden Fall haben Teherans Investitionen im Werte von 500 Mio. Dollar den USA geholfen den Einfluss der Taliban zu minimieren. Der Iran hat die Hälfte von Herats Straßen asphaltiert, Schulen gebaut, Kliniken und baut mit afghanischen Partnern an einem Industriegebiet. „Es sind nicht nur Investitionen, sondern auch Handel“, sagt Ali Shah Ahmedi, der Manager des Herater Tejarat Hotels. „Iranische Geschäftsleute sind immer (in meinem Hotel), sie verkaufen oder kaufen verschiedene Sachen, wie abgepackte Lebensmittel und Motorräder. Herat ist sauberer als Kabul, hat mehr Bäume und Parks und ist weniger gefährlich. Man sieht auch weniger Polizisten und Soldaten.
Angriff auf pakistanischen Grenzposten 16.07.08// Reuters North American News Service. Wiredispatch.com. Ein Luftangriff der US-Air Force am 10. Juni tötete 11 pakistanische Soldaten. Angeblich waren die Daten, die die Piloten erhalten hatten nicht vollständig, weil der Militärposten des pakistanischen Militärs an der afghanisch-pakistanischen Grenze nicht aufgeführt war. Diese Erkenntnisse, die noch nicht veröffentlicht wurden, führten zu weiteren Spannungen zwischen der USA und Pakistan. Die 11 toten Soldaten gehörten dem Paramilitärischen Grenzcorps an, die die USA eigentlich zu einer effektiven Counterinsurgency-Truppe ausbilden wollten.
Terrorliste 16.07.08//ACLU. Die Liste mit Terrorverdächtigen des amerikanischen Justizministeriums umfasst nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation "American Civil Liberties Union" (ACLU) inzwischen eine Million Namen. Jeden Monat kämen 20 000 neue Namen hinzu. ACLU: "Eine Million Namen auf eine Beobachtungsliste zu setzen garantiert, dass die Liste mehr Schaden anrichtet als Gutes tut". Auch Boliviens Präsident Evo Morales wird als Terrorverdächtiger geführt.
Gouverneur seines Postens enhoben 12.07.08// al-jazeera net. Tamim Nuristani, Gouverneur der Provinz Nuristan, wurde auf Anordnung von Präsident Karzai, kurze Zeit nach einem Interview mit al-Jazeera, von seinem Posten enthoben. Er hatte eine Aktion der US-Armee kritisiert und meinte, dass es zu weiteren Spannungen kommen würde, wenn Zivilisten erschossen würden. Ein Sprecher der US-geführten Koalition sagte, dass sie Militante verfolgt hätten, die eine Militärbasis angegriffen hätten. Dazu Nuristani: Dieser Vorfall war „unverzeihlich, weil (die USA) gewußt hätten…dass Zivilisten das Gebiet verließen.”
“Die NATO gewinnt Schlachten, aber nicht den Krieg“ 10.07.08// S. Neighbour. Die Koalitionskräfte scheinen jede Schlacht zu gewinnen, aber den Krieg zu verlieren. Die Internationale Gemeinschaft hat die afghanische Hauptstadt kolonisiert, es ist eine Stadt im Belagerungszustand. Man kann den ganzen Tag Taliban töten. Du tötest 20 000 – und es werden weitere 20 0000 folgen…Die kürzliche Show der neuen pakistanischen zivilen Regierung (das Bombardieren von Positionen der Militanten in den Stammesgebieten) ist nichts als eine Show. …(Eine ISAF Sprecherin wird zitiert) „Sie diente dazu, uns zu überzeugen, dass sie (die neu gewählte zivile Regierung) das Problem ernst nehmen. Es ist aber nichts als Rauch.“…Die Menschen verlieren ihr Vertrauen und das ist riskant. Ich meine (so, Saikal, afgh. Parlamentarier), dass die gesamte Integrität der NATO ein Risiko ist. Die Menschen beginnen sich zu überlegen, dass die NATO nicht viel bedeutet, wenn eine kleine Truppe wie die Taliban sie auf Trab hält.“ Ahmad Shah Amadzai, einer der politischen Aktivisten: „Die afghanische Regierung besitzt keine Autorität. Karzais Regierung ist eine Marionettenregierung. Sie hat keine Macht und präsentiert nur westliche Interessen.“ Er kritisierte, dass erst kürzlich 27 Zivilisten getötet worden seien, meist Frauen und Kinder, als die Luftwaffe eine Hochzeitsgesellschaft bombardierte…“
Der Unmut unter der Zivilbevölkerung wächst 09.07.08// Reuters North American News. Afghanen warnen davor, dass das verhalten der US-Armee, Militante jagen mit enormen Verlusten unter der Zivilbevölkerung, dazuführen könnte, dass sich die Menschen gegen sie erheben werden. Man schätzt, dass allein letztes Jahr 800 Zivilisten getötet wurden. Ein Parlamentarier meinte: „Sie sollten sich nicht wie die ehemalige SU verhalten.“
Juni 2008
Pentagon erlaubte Folter 18.06.08// international.jpost.com. Eine Medizinstudie über ehemalige US-GEfangene, die gerade von Ärzte für Menschenrechte und medizinischem Fachpersonal veröffentlicht wurde, untersucht 11 ehemalige Gefangene. Die Gruppe fand Anzeichen von Folter und Kriegsverbrechen seitens der USA. Sie klagte Gesundheitspersonal des US- Militärs an, weil es den Missbrauch der Gefangenen erlaubt hätte und ihnen medizinische Hilfe verweigert hätte. Außerdem hätten sie denen die die Verhöre durchführten medizinische Informationen gegeben, die diese benutzen konnten. An der Tagesordnunge waren wohl Elektroschocks, ein Gefangener wurde mit einem Stock vergewaltigt, ein weiterer musste Frauenunterwäsche tragen, sich nackt ausziehen und vor weiblichen Soldaten paradieren. Manche wurde bespuckt und auf sie uriniert. Dem Committee des Senats für Armed Services lagen Dokumente vor, die zeigten, dass Militäranwälte gewarnt haben, dass die nach 9/11 angewandten Methoden gegen Militärgesetze, US- und Internationale Gesetze verstoßen. Dies wurde aber von Pentagonanwälten ignoriert. 7 der Gefangenen waren in Abu Ghraib inhaftiert, 4 in Guantanamo. Alle 11 wurden ohne Anklage wieder freigelassen. Ein geheimes Dokument zeigt, dass das Pentagon und das Justizministerium für eine bestimmte Zeit erzwungene Nacktheit, Isolation, Schlafentzug und Erniedrigungen erlaubte. Sowohl in Guantanamo also auch in Abu Ghraib.
Mistreatment of the Quran 17.06.08// McClatchy Newspaper. Ehemalige Guantánamohäftlinge, die von McClatchy Newspaper in Jordanien, Russland, Kuwait, Pakistan und Afghanistan interview wurden, sagten aus, dass US-Soldaten und die Verhörspezialisten der USA in Bagram Air Base, Kandahar Airfield und Guantánamo den Koran in Eimer die als Latrine benutzt wurden geworfen hätten. Dies wäre in der Zeit zwischen 2001 und 2002 gewesen. Stories über die Behandlung des Korans wurden „von den Gefangenen oder Extremisten die Unruhe in den Zellenblocks stiften wollten oft wiederholt und übertrieben, jedoch es war nicht möglich die Wahrheit festzuhalten.“ Eine Untersuchung darüber 2005 hielt 9 Fälle fest, 5 davon bestätigten dies. Untersucht wurden nicht die Gefängnisse in Kandahar und Bagram. McClatchy legte dem Verteidigungsministerium 13 Fragen bezügl. Der Vorfälle vor. Der Bitte um Interviews wurde aber nicht stattgegeben. Der Sprecher des Pentagon, Col. Gary Keck, meinte dass es einige Fälle gegeben hätte. Danach verlangte er in einem Email, dass seine Äußerungen nicht für eine Veröffentlichung gedacht war: "My only concern here is that I have researched nothing specifically on the information we discussed, so if you need an on-the-record quote, I would have to try to determine the facts. I was speaking in general on the subject of detention operations, it is not my expertise. I would hate for you to use inaccurate information."
Ignoriert Vergewaltigungen! 16.06.08// thestar.com. Chaplain Jean Johns, vom kanadischen Militär, hatte erst kürzlich einen Soldaten beraten, der Zeuge einer Vergewaltigung wurde (ein afghanischer Soldat hatte einen Jungen vergewaltigt). Sie schrieb einen Bericht an den Kaplan der Brigade. Ihr wurde gesagt, dass die Soldaten aufgefordert wurden dies zu ignorieren. Eine Antwort auf ihren Bericht hatte sie nicht bekommen. Anscheinend haben einige kanadische Soldaten ähnliche Erfahrungen gemacht. Das Department of National Defence lawyers meinte in einer Stellungnahme, dass Kanada nicht verpflichtet ware dies zu untersuchen, weil keiner der Soldaten eine Beschwerde eingereicht hätte. Ein Offizier, der die Fälle kannte, meinte: "It's ridiculous, wir haben eine ethische und moralische Verantwortung dies zu verfolgen und nicht unsere Augen zu verschließen, denn dies würde uns mehr Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung bereiten“
Das IRK wurde abgelenkt und belogen 17.06.08// McClatchy Newspaper. Das US-Militär verheimlichte bestimmte Orte, wo "terrorverdächtige" Gefangene inhaftiert waren. Und tat alles, um das vor dem Internationalen Roten Kreuz geheim zu halten. "We may need to curb the harsher operations while ICRC is around. It is better not to expose them to any controversial techniques," so Lt. Col. Diane Beaver, eine Militäranwältin. “In der Vergangenheit, als das IRK großes Aufheben wegen einiger Gefangener machte, hat das DOD (Defense Department) sie weggebracht, damit das IRK von ihnen abgelenkt wird“, so Fredman vom CIA. Aus den Dokumenten geht allerdings nicht hervor, ob das Pentagon die Gefangenen an einen anderen Ort gebracht hat oder dem IRK nur gesagt hat, sie wären gar nicht mehr hier. Fredman, scheint selbst für härtere Techniken eingetreten zu sein, als diese die von „Military field guides“ autorisiert waren. „Wenn der Gefangene stirbt, dann hast du etwas falsch gemacht,“ sagte Fredman.
Folter im Bagramgefängnis 16.06.08// McClatchy Newspaper. US-Soldaten brachten die Gefangenen dazu rasierklingenscharfen Draht zu halten, der für Viehzäune benutzt wird. Sie traten die Gefangenen, knieten auf ihnen, prügelten sie bis zum Zusammenbruch. Sie wurden auf oft in kleinen Islolationszellen an Ketten aufgehängt. Dies berichteten ehemalige Soldaten und Häftlinge gegenüber McClatchy. Bagram sei ein Zentrum (seit 2001) in dem systematisch Brutaliät aangewandt würde. Ernsthaft bestraft wurde noch kein Soldat. McClatchy untersuchte die Lage der Gefangenen 8 Monate lang und stellte einen Missbrauch fest, der schon seit Jahren andauert.
Gefangenenbefreiung in Kandahar 14.06.08// New York Times online. Talibankämpfer stürmten in Kandahar das Sarposagefängnis. Sie sprengten die Mauern, töteten 15 Mann der Wachen und befreiten 1200 Gefangene, darunter mindestens 350 Talibanmitglieder. Ein Talibansprecher, Qari Yousuf Ahmadi, sagte, dass der Angriff von 30 Mann auf Motorrädern und zwei Selbstmordattentätern durchgeführt worden sei, so berichtete AP. 400 Mitglieder hätten sie befreit. Jetzt scheinen einige afghanische Politiker und auch NATO-Kader um ihre Sicherheit zu fürchten. „Kandahar ist Präsident Karzais Heimatstadt, die spirituelle Hauptstadt der Taliban und traditionell gesehen ist Kandahar die Stadt der afghanischen Herrscher und ihre Kontrolle durch die Regierung scheint Auswirkungen im ganzen Land zu haben.“ Präsident Karzai, der bereits unter Druck steht, – es hagelt Kritik von allen Seiten (auch die Geberkonferenz in Paris, die zwar 21 Mio. Dollar Hilfe versprach, aber mit Kritik nicht sparte), weil er die Korruption und Sicherheit nicht in den Griff bekommt. Präsident Karzai sagte, dass die Angreifer sich auf die politische Abteilung des Gefängnisses konzentriert hätten, in der die Taliban inhaftiert waren. Im Gefängnis befanden sich auch ungefähr 80 Frauen. Ungefähr 200 Gefangene wären von den Wachen wieder gefangengenommen worden. Dies konnte von Politikern in der Stadt nicht bestätigt werden, die meinten, dass selbst der letzte GEfangene verschwunden ware. Kanadische Truppen, die ihre Basis außerhalb Kandahars haben, rückten an alles alle schon verschwunden waren. Im Mai diesen Jahres waren 400 Gefangene in den Hungerstreik getreten. Sie protestierten gegen ihre lange Inhaftierung ohne Verfahren. Manche waren schon zwei Jahre im Gefängnis ohne ein Verfahren. Mehr als 40 Gefangene hatten sich aus Protest die Lippen zugenäht. 300 Frauen hatten vor dem Gefängnis demonstriert: sie sprachen von willkürlichen Verhaftungen ihrer Männer durch die NATO und US-Militär. Lokale Politiker hatten verhandelt, um den Protest zu beenden und hatten bessere Bedingungen und Gerechtigkeit verprochen. Die Gefangenenbefreiung scheint bei den lokalen Familien recht populär zu sein.
Wird Khalilzad Karzais Nachfolger? 08.06.08// The Independent. Zalmays Khalilzad, zur Zeit US-Botschafter bei der UNO, bereitet sich auf die Präsidentschaft in Kabul vor. Zwar wird Hamid Karzai wieder kandidieren, aber er ist doch extrem unbeliebt geworden. [wahrscheinlich ist er politisch auch verschlissen, auf jeden Fall scheint die USA keine Erwartungen mehr in ihn zu haben.
Politische Elite, ISAF und die Drogen 07.06.08// JungeWelt Wochendbeilage. Frage an Hanifullah Hanif: Es wird behauptet, die NATO bekämpfe die Drogenhändler. Auf der anderen Seite hört man immer wieder, daß der Bruder von Präsident Hamid Karsai einer der größten Drogenbarone ist. Was ist an den Vorwürfen dran? Nicht nur Ahmed Wali Karsai, sondern auch andere Minister, Gouverneure und Kommandanten sind direkt oder indirekt am Drogengeschäft beteiligt. Sie füllen mit den Gewinnen nicht nur ihre eigenen Taschen, sondern schmieren gemeinsam mit ihren westlichen Partnern damit auch die Kriegsmaschine. Man braucht sich nur all die neu entstehenden Paläste in Shirpoor nahe dem Kabuler Botschaftsviertel anzusehen. Sie gehören vorwiegend den Drogenbossen.Aber auch die ISAF, insbesondere die USA und Großbritannien, sind an diesem profitablen Geschäft beteiligt. Es sind ihre Hubschrauber, die die heiße Ladung außer Landes bringen. Die Opiumbauern selbst können sich oft nicht einmal eine einfache Busfahrt nach Kabul leisten, geschweige denn einen Drogentransport finanzieren. Wenn die Behauptung wahr wäre, die NATO kämpfe gegen den Drogenhandel, warum steigt der Export von Jahr zu Jahr? Unter der Herrschaft der Taliban 2001 sprach man von 185 Tonnen, heute sollen es an die 9000 sein.
Mai 2008
Rückeroberung eines Distrikts 30.05.08// wiredisptach.com. Afghanische Truppen wurden in den Distrikt Roshidan in der Gazniprovinz geschickt, aber der weit entfernte Distrikt war bereits unter der Kontrolle der Taliban. Zabiullah Mujahid, ein Talibansprecher sagte, dass sie Roshidan angegriffen hätten, acht Polizisten gefangengenommen hätten und den örtlichen Regierungsvertreter Ghulam Shah. Der abgelegene Distrikt liegt im südwesten von Kabul (65 ’Meilen von Kabul entfernt.
Koran als Zielscheibe 26.05.08// Reuters. Wiredispatch. Hunderte von Afghanen protestierten gegen die US-Soldaten, die den Koran als Zielscheibe benutzt hatten. Deswegen gab es in den letzten Wochen schon in allen Teilen Afghanistans sporadische Proteste. Der von Kugeln durchsiebte Koran wurde am 11. Mai in Bagdad gefunden. Die Polizei verhaftete Dutzende von Demonstranten, die die Hauptstraße in der Logar Provinz südlich von Kabul blockierten. Präsident Bush entschuldigte sich bei Premierminister Nuri al-Maliki und versprach die Bestrafung der Soldaten. Im Irak gab es keine Demonstrationen deswegen.
26.05.08// Reuters. Italien plant die Reduzierung ihrer Soldaten in Afghanistan (von 2400 auf 300) bis Ende des Jahres, so Verteidigungsnminister, Ignazio La Russa.
Die Taliban ändern ihre Taktik 26.05.08// Telegraph.co.uk - Die Taliban würden die irakischen Aufstandsstrategien übernehmen, so der Telegraph. Dies hätte man wie in einem Mikrokosmos in Taggab (40 Meilen nördlich von Kabul) sehen können, wo die Taliban als mögliche glaubwürdige Alternative zur fragilen US-gestützten Regierung in Kabul gesehen würden. Die Taliban würden in dieser Ära offen zum Jihad aufrufen. Sie greifen die NATO-Truppen nicht mehr frontal an, wie Anfang des Jahres; die Gewalt erreicht eine höhere Stufe, roadside bombings hat 34% zugenommen. Es gibt Berichte, wonach Talibankämpfer in verschiedene rurale Distrikte nördlich und östlich von Kabul eindringen. Sie versuchen die Beschwerden der Dörfler und die Illusionslosigkeit in diesen Gebieten auszunutzen. Neun Taliban Kommandeure operieren um Taggab, sie haben Verbindung zu lokalen Unterstützern der Hizb-e Islami, die darüber gespalten ist, ob man sich den Taliban anschließt oder nicht.
US-Gefängnis in Bagram Airbase 21.05.08// Worldblog.msnbc.msn.com. Die ersten Treffen von Familienmitgliedern und Gefangenen finden nicht face-to-face statt, sondern per Videokonferenz, die das US-Militär durch einen Kompromiss mit den Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes zugelassen hat. Jede Familie darf nur 20 Minuten kommunizieren, nach so vielen Monaten, in manchen Fällen auch Jahren (des Nichtkommunizierens) ist das – so das Rote Kreuz – besser als nichts. Es drängt aber darauf, dass face-to-face Besuche stattfinden müssen. Seit das Programm im Januar begonnen hat, haben mehr als 600 Familien die Videokonferenz genutzt. Dutzende Familien würden im Büro des Roten Kreuzes in Kabul jeden Montag warten, bis sie an die Reihe kommen. Der Gefangene schreibt die Namen der Familienmitglieder, von denen er wünscht, dass sie nach Kabul kommen, um Kontakt aufzunehmen. Die USA prüfen die Namen, Freunde dürfen nicht teilnehmen. Im Bagram Gefängnis befinden sich zwischen 600 und 650 Gefangene. Es wurde 2002 in Betrieb genommen. Das Militär erlaubt nicht, dass Informationen nach außen kommen. Manche sind schon 5 Jahre ohne Anklage inhaftiert. Manche sind bei US-Überfällen inhaftiert worden, die auf geheimdienstlichen Falschinformationen beruhten, manche sind inhaftiert worden, auf Grundlage von Informationen, die von Clans oder Familien gegeben wurden, die schon jahrelang Fehden austragen. In einem Fall, wurde ein Dorfältester inhaftiert, der oft als Vermittler zwischen der lokalen Regierung und den Dorfleuten auftrat und Konflikte beilegte, oder über bestimme Dinge verhandelte. Eines Nachts wurde er vom US-Militär verhaftet. Die Familie weiß nicht warum. „Sie kamen mit ihren Hunden, drangen ins Haus ein und schossen, dann ließen sie die Hunde auf zwei meiner Schwestern los.” Die Verantwortlichen des US-Militärs weigern sich Stellungnahmen über den Status der Gefangenen abzugeben.
Neues Gefängnis in Bagram in Planung 17.05.08// Nytimes.com – In der Hauptbasis der US-Armee in Afghanistan soll das größte Gefängnis gebaut werden, es soll das derzeitige Gefängnis in der der Bagram Military Base, in dem ungefähr 630 Gefangene inhaftiert sind (in Guantanamo 270 Gef.) ersetzen. Die Bush-Regierung signalisierte, dass die USA sich aus den „Gefangenenangelegenheiten“ heraushalten wollen, die große Mehrheit der Gefangenen soll in „afghanische Gefangenschaft“, in einen US-finanzierten Sicherheitstrakt außerhalb Kabuls, der von afghanischen Soldaten bewacht wird. Wie aus offiziellen Stellen verlautbar ist, kann dieses Gefängnis nicht alle Gefangenen absorbieren, da man mit – bei anhaltenden Kämpfen mit den Taliban – weiteren Gefangenen rechnet. Das Gefängnis in Bagram, “Bagram Theater Internment Facility”, ist bekannt dafür, das Foltermethoden angewandt werden. 2002 starben 2 Gefangene an den Folgen der Misshandlung durch US-Soldaten. Das neue Gefängnis (Bagram-Gefängnis: als Gefängnis dient ein alter Hangar, aus der Besatzungszeit der Sowjets) soll ein modernes humanes (sic) Gefängnis werden, in dem 600 oder auch 1000 Gefangene Platz haben. Es soll 60 Mio. Dollar kosten. Schulräume zur Ausbildung und zur Diskussion sollen gebaut werden, in denen auch über Religion diskutiert werden soll.
Verhaftungen wegen des Anschlags auf Hamid Karzai 05.05.08// NYT. Afghanistans Verteidigungsminister, Abdul Rahim Wardak, bestätigte, dass ein Polizeioffizier die Waffen für die Gruppe besorgte, die ein Attentat auf Präsident Hamid Karzai verübte. Zwei Männer wurden verhaftet, die anscheinend motiviert waren durch Geldzahlungen. Afghanistans Geheimdienstchef, Amrullah Saleh, machte al-Qaida für diesen Anschlag verantwortlich. Er sagte, dass drei Männer Kontakt gehabt hätten zu Leuten außerhalb Afghnanistans, wie z.B. in Miram Shah, einer Stadt in der pakistanischen Stammesregion Waziristan, Hauptstützpunkt der Taliban.
Zerstörung oder nicht? 04.05.08// yahoo.com. Najibullah Harar, von der Abteilung Information und Kultur in der Provinz Bamian, sagte, dass bei der Sprengung einer Rakete die Umgebung des kleineren Buddha beschädigt worden wäre. Sie hätte die historische Wand um den kleineren Buddha zerstört. Captain Zac Prendergast, von der Einheit aus New Zealands, die der NATO untersteht, die dort eine Rakete sprengte, verneinte gegenüber Radio New Zealand, einen Schaden. Es wäre alles gut vorbereitet gewesen. Die Rakete wäre mit Sandsäcken bedeckt gewesen und der Krater nach der Explosion wäre nur klein gewesen. Die Taliban hatten die Buddhas 2001 zerstört.
April 2008
Einsatz von UD-Waffen? 30.04.08// BBC World Service. Die Ärzte in Afghanistan haben festgestellt, dass die Gesundheitsprobleme bei Kindern sich in den letzten 2 Jahren verdoppelt haben. Es wird vermutet, dass die USA 2001 Unranium Depleted (DU) Waffen eingesetzt haben. Eine kanadische Untersuchungsgruppe haben hohe Konzentrate von Uranium festgestellt. Die Ärzte in Kabul und Kandahar sind der Meinung, dass sich Missbildungen bei Geburten verdoppelt haben. Das UMRC, Uranium Medical Resarch Centre in Kanada, vermutet die Ursache bei DU. 2002 und 2003 hat das Zentrum Urin von Afghanen analysiert, in mancher Probe fand man Uraniumspuren, die 100 mal stärker waren als bei den Golfveteranen.
Karzai kritisiert US-Politik 27.04.08// observer.guardian.co.uk - Hamid Karzai hat die britischen und amerikanischen Truppen aufgefordert, Taliban-insurgents zu verhaften. Er sagte, dass ihre Operationen die Autorität der Regierung untergraben würde und deshalb conterproduktiv wären. Diese herbe Kritik machte Hamid Karzai in einem Interview mit der New York Times, das gestern veröffentlicht wurde. Westliche Diplomaten waren von der Kritik überrascht, aber auch davon, dass dies von den Briten und USA heruntergespielt wurde. Von einigen wird vermutet, dass Karzai, der nächstes Jahr zur Wiederwahl antritt, deshalb einen populistischen Standpunkt abgibt. Karzai führte die Kritik aus, indem er sagte, dass wenn die US-Truppen weiterhin Taliban und ihre Unterstützer verhaften (oder auch „verdächtige Talibanmitglieder“), fürchteten die Taliban verhaftet zu werden und übel behandelt zu werden. Diese würde sie davon abhalten die Waffen niederzulegen. „Wir müssen klar machen, dass wenn ein Talib nach Afghanistan kommt…er sicher sein muss von der „Koalititon“ nicht verhaftet zu werden.“ Bemühungen Taliban oder Sympathisanten zu gewinnen werden nicht von allen unterstützt. Wie eine Amnestie oder ein reconciliation programme for insurgents aussehen soll, darüber ist die NATO gespalten. Die Briten sind der Meinung, dass es keine Verhandlungen geben darf. Um die radikal islamistische Bewegung zu schwächen, sollen “foot soldiers”, die von Stammesführern, religiösen Führern oder Ideologen von „hardcore“ Führern irregeleitet wurden, oder teilnehmen, wegen des guten Verdienstes, abgespalten werden. Karzai kritisierte auch die vielen zivilen Tote, die durch die Koalition verursacht werden. Obwohl die Kollateralschäden „substanziell“ abgenommen haben, gibt es immer noch Tote. Zwei Frauen und zwei Kinder wurden erst kürzlich bei einem Luftangriff der NATO-Truppen auf einen vermeintliche Talibanstützpunkt getötet. Seit 2001 starben ungefähr 9000 Zivilisten. Karzai: „Ich will die zivilen Opfer beenden…wie oft auch immer argumentiert wird, dass dies schwierig sei, akzeptiere ich dieses Argument nicht.“ Die Beziehungen zwischen Hamid Karzai und London wurden letzten Monat belastet, als sich Karzai weigerte Lord Paddy Ashdown, den favorisierten Kandidaten für den Posten als aid tsar in Kabul zu akzeptieren (er soll die internationale Hilfe, die ins Land kommt, koordinieren).
Müde, oder was? 20.04.08// New York Times — Amerikanische Kommandeure in Afghanistan sind für eine Ausdehnung des Krieges, damit auch Angriffe in Pakistan durchgeführt werden können. Die Angriffe des pakistanischen Militärs gegen Militante in den Stammesgebieten, scheinen wohl eingeschlafen zu sein. Die pakistanische Regierung hat dem CIA zwar grünes Licht gegeben, gegen Araber und andere ausländische Aktivisten in den Stammesgebieten vorzugehen, aber hat auch den amerikanischen Operationen Restriktionen auferlegt.
Uranium Depleted Weapons 19.04.08// wiredispatch.com – Die afghanische Regierung plant eine Untersuchung über den Einsatz von “depleted Uranium”-Waffen bei der US-Invasion in Afghanistan 2001. Aufmerksam wurde man, weil sich Deformierungen bei Neugeborenen häufen, besonders in der Berggegend von Tora Bora, wo die heftigsten Bombardierungen der US-Luftwaffe stattfanden, weil sich dort angeblich Usama Ben Laden versteckte. Dazu nahm der Gesundheitsminister von Afghanistan, Faizullah Kakar, Stellung: „Wir haben beschlossen eine Untersuchung durchzuführen, wir werden in verschiedenen Gegenden, den Kriegsgebieten, Proben von Boden, Fels und Wasser nehmen und dann sehen ob es Deformierungen bei Babys gibt…dann können wir Ihnen sagen was los ist, bis jetzt ist es nur Spekulation.“ Von Reuters-Journalisten befragt, ob die USA ihnen über den Einsatz von UD-Waffen berichtet hätten, sagte Kakar: „Sie haben uns nicht gesagt, ob sie sie angewandt haben oder nicht. Aber meine Quelle sagt mir, dass sie zum Einsatz kamen.“
Atomwaffen für den Präventivkrieg?? 02.04.08// Junge Welt. Die NATO soll in Zukunft bei sogenannten Präventivangriffen Atomwaffen einsetzen, um andere Länder, wie z.B. den Iran, daran zu hindern, solche Waffen zu entwickeln. Diesen Wahnsinnsvorschlag präsentierten zu Jahresbeginn fünf ehemalige Topmilitärs. Sie waren von der Brüsseler Zentrale des imperialistischen Bündnisses beauftragt worden, einen Entwurf für ein neues strategisches Konzept auszuarbeiten. Mitte Januar dann hatten die ehemaligen Generalsstabschefs ihrer Länder, darunter der deutsche General a.D. Klaus Naumann, ihr »Manifest« zur Reform der atlantischen Allianz in Washington und in Brüssel vorgestellt. Darin rufen die bei den Regierenden ihrer Länder hochgeschätzten Autoren offen zum Einsatz von nuklearen Waffen auf. Zugleich sollen die politisch-militärischen Vorgaben hierfür aus Washington auf die NATO übertragen werden. Denn was die USA an »Präventivkriegen« zur Erlangung der Kontrolle über Rohstoffe oder des Zugangs zu Märkten praktizieren, das soll in Zukunft auch den europäischen NATO-Regierungen möglich sein…Auf Nachfrage bei der Presseabteilung der NATO in Brüssel erfuhr junge Welt nun, daß das Manifest nicht wie ursprünglich berichtet auf der Tagesordnung des NATO-Gipfels in Bukarest stehen wird. Aber angesichts des erheblichen politischen Drucks aus Washington und Berlin zur Verabschiedung eines neuen strategischen Konzeptes auf dem NATO-Gipfel 2009 scheint es eher aufgeschoben, denn aufgehoben.“
März 2008
Gegen Tanzarbietungen im TV 31.03.08// AP, wiredispatch.com. Afghanistans Parlament hat eine Resolution beschlossen, um Tanzdarbietungen und andere Praktiken, die als unislamisch eingestuft werden, zu verhindern. Einige Tage zuvor, hatte das Privatfernsehen Tolo TV Channel Tanzdarbietungen gezeigt, bei denen Männer und Frauen zusammen tanzten. Tolo TV ist das populärste Fernsehen Afghanistans. Es zeigt auch sehr viele indische Soapoperas. Zakia Zaki, die frühere Besitzerin von Tolo TV wurde letztes Jahr von Bewaffneten vor den Augen ihres 8 jährigen Sohnes erschossen. Shaima Rezayee, die eine Musikshow hatte, wurde 2005 erschossen. Der Besitzer von Tolo TV Saad Mohseni, meinte, dass es nichts anstößiges gegeben hätte. Mohseni meinte, dass es eine Talibanisierung der afghanischen Gesellschaft gebe.
Australien will keine Truppen mehr für Afghanistan bereitstellen 18.03.08// wiredispatch.com. Solange die NATO-Länder keine zusätzliche Truppen in den Süden Afghanistan senden wollen, wird auch Australien, das nicht Mitglied der NATO ist, keine zusätzlichen Truppen mehr bereitstellen, so Verteidigungsminister Joel Fitzgibbon. Für Afghanistan würde man eine neue road map des Erfolgs benötigen. Er wird im April auf dem NATO-Gipfel in Bukarest, Rumänien, sprechen. Australien hat in Afghanistan 1000 Mann stationiert.
Winning hearts and minds: Impossible 11.03.08// Wiredispatch.com. Im besetzten Irak und Afghanistan ist das “Gewinnen der Köpfe und Herzen” der Menschen unmöglich. So, der britische Armeekommandeur Lieutenant General Graeme Lamb. Der Kommandeur: „Es gibt natürlich Umstände, in denen wir das Vertrauen der Menschen vor Ort gewinnen, wo wir uns durchsetzen können mit der nationalen Führung, einen konstruktiven Dialog zu führen mit den religiösen Autoritäten, aber ich bezweifle, ob wir jemals in der Lage waren, ihre Herzen und Köpfe zu gewinnen.“ Die guten Intentionen werden konterkariert durch fundamentale kulturelle, religiöse und soziale Unterschiede. Eine zerstörte Gesellschaft zu gewinnen ist gefährlich und ein Wunschdenken. Dies sagte Lamb auf einer internationalen Sicherheitskonferenz in Stockholm. Das beste was eine BEsatzungsarmee erhoffen könnte, wäre das “Einverstandensein” der Menschen vor Ort. Aber dies würde nur funktionieren, wenn man ihnen das notwendigste bringen könnte: Wasser, Elektrizität, Gesundheitsversorgung, Bildung und Sicherheit. Unter den Menschen vor Ort wären einige die „uns brauchen, wenn auch nur für eine kurze Zeit, andere kommen uns entgegen, ebenfalls nur für eine kurze Zeit und wieder andere hassen uns, einfach für immer.“
Warlord Abdul Rashid Dostum 11.03.08// The Independent. Es gibt keinen kontroverseren unter den Warlords von Afghanistan wie Abdul Rashid Dostum. Ein Mann mit enormer Macht, großem Reichtum, sein Name steht für Verrat und Blutvergießen. General Dostum, who once ruled a northern swath of the country with an iron fist is now under siege, with an arrest warrant against him and stripped of his post as chief of staff to the army commander. Die Polizei versuchte ihn im Diplomatengebiet in Kabul “Wazir Akbar Khan” zu verhaften. Dabei kam es zum Kampf mit seinen bis an die Zähne bewaffneten Bodyguards. Die Polizei konnte jedoch vier Menschen (darunter Akbar Bai und sein Sohn. Bai – war noch vor kurzem ein Verbündeter Dostums), die er als Geiseln hielt, befreien, wenn auch schwer verwundet. Bai, von der turkmenischen Community, hatte Dostum eine Reihe krimineller Taten beschuldigt, u.a. die Ermordung von Gegner in der turkmenischen Community. Dostum und 70 seiner Leute, hatten Bai und seinen Sohn, die im gleichen Viertel wohnen, aus dem Haus geholt und wahrscheinlich gefoltert. Nach dem dies bekannt wurde, erklärte sich Dostum bereit, die Angelegenheit von dem Ältestenrat klären zu lassen. Sollte gegen ihn rechtlich vorgegangen werden, erbat er das Eingreifen des Präsidenten, Hamid Karzai. Bai hat formell Anklage gestellt. Der General (Dostum) hätte ein Verbrechen begangen und „muss bestraft werden, wenn es ein Gesetz und Demokratie in diesem Land gibt.“
Januar 2008
Karzai kritisiert das britische Militär 25.01.08// timesonline.co.uk – Heftige KRitik des Präsidenten am britischen Militär. Durch ihre Fehler hätte man einen Rückschlag von 18 Monaten in der Provinz Helmand erlitten. In einem Teil des Landes litten wir nach der Ankunft der Briten, so Karzai auf dem Davos Economic Forum. „Wir hatten vorher Helmand in der Hand, als unser Gouverneur noch da war.“ Dann wären die Briten gekommen und hätten gesagt: „Euer Gouverneur ist nicht gut.“ Dann hätten sie ihn abgesetzt. Beide, USA und GB, meinten, dass sie wüssten was sie tun. „Ich machte den Fehler und hörte auf sie…Dann kamen die Taliban.“ Der Fehler wäre gewesen, dass sie eine lokale Abmachung änderten ohne einen Ersatz zu haben. „Wir gruppierten die Polizeikräfte um, das war nicht gut..es waren dann zu wenig Sicherheitskräfte…Deshalb kamen die Taliban wieder herein. Erst nach 1 1/2 Jahren konnte Musa Qala zurückerobert werden. Die Briten haben noch nicht geantwortet. Sie haben immer öffentliche Kritik vermieden, weil Karzai die einzige glaubwürdige Person für den Westen ist.
“Ihr müsst hier raus“ 21.01.08// Timesonline.co.uk – Die Soldaten klopften um 8 Uhr morgens an die Tür. Die Afghanen waren schon mit ihrem Vieh zu Gange. Es waren ungefähr 50 Menschen in dem Haus, eine Großfamilie mit fünf Brüdern, Bauern, die seit Generationen dort arbeiteten und lebten. Der Warrant Officer Les Bering, ein dänischer Soldat, sagte ihnen, dass er schlechte Nachrichten bringe. „Sie müssen hier raus.“ Was die Menschen nicht wussten. Es gab einen britisch-dänischen Plan, Operation Donner, einen Stützpunkt im Talibankernland im Oberen Gereshk-Tal (Zentralhelmand) zu errichten. Und da wurde ihr Haus zur Basis für FOB Armadillo, eine neue Basis der NATO-Truppen. Deshalb mussten sie das Haus verlassen. Es gab eine Kompensationszahlung. Nach zweistündiger Verhandlung mit den Truppen, stimmten die Dänen zu und zahlten den Brüdern eine vierstellige Summe in Dollar. Dann gab es noch eine monatliche Miete. Trotzdem hinterließ dieses Ereignis bei den Soldaten einen bitteren Nachgeschmack. „Es ist kein highlight, ein 8jähriges Mädchen zu sehen, das aus dem Haus geht in den Januarregen, mit einer Wasserkanne in der einen Hand und einem Huhn in der anderen und das weiß, dass du irgendwie dafür verantwortlich bist“, so Captain Jamie Russel.
04.01.08// Aftonbladet. In einer schwedischen Bibliothek wurde ein USB memory stick mit wichtigen NATO Information gefunden. Darauf wurde sofort ein Treffen mit dem schwedischen Militärgeheimdienst, Sicherheitsdienst und dem Verteidigungsministerium einberufen. Gemäß der Tageszeitung Aftonbladet, enthielt der stick Material über die ISAF Truppen der NATO in Afghanistan, aber auch über die versuchte Ermordung des libanesischen Verteidigungsministers und der Ermordung von Sri Lankas Außenminister. Wie der stick in die Bibliothek kam, ist noch nicht klar.
/Dezember 2007
Ausweisung von EU- und UN-Vertretern 27.12.07// timesonline.co.uk – UN- und EU-Vertreter haben versucht, die afghanische Regierung zu überzeugen ihre Entscheidung zur Ausweisung ihrer beiden Diplomaten rückgängig zu machen. Die Entscheidung wurde getätigt, nachdem Michael Semple, ein irischer EU-Vertreter mit extensiven Talibankontakten und Mervyn Patterson, Vertreter der UNO aus Nordirland, nach Musa Qala (Helmand Provinz) gereist waren um Verhandlungen mit den Taliban aufzunehmen. Beide Männer haben viele Jahre in Afghanistan gearbeitet und sprechen die fließend die örtlichen Sprachen. In Kabul wird gesagt, dass die Anschuldigung gegen die beiden gemacht wurden, als Präsident Karzai erfahren habe, dass die beiden einen deal mit den Taliban hinter seinem Rücken tätigen wollten.
Mit dem Latein am Ende? 19.12.07// KABUL (Reuters) – Präsident Hamid Karzai berichtet vom Fortschritt im Land: Schulen und Krankenhäuser würden gebaut, wirtschaftlich gehe es besser, bliebe nur das Problem mit den Extremisten. Vor 20 Jahren hätte Präsident Najibullah das auch gesagt. Nachdem Najibullah das 1987 gesagt hätte – zwei Jahre später hätten sich die russischen Truppen zurückziehen müssen. Diplomaten und Militärs fürchten, dass wenn keine neue Strategie gefunden würde, würden westliche Regierungen die Lust verlieren und ihre Truppen zurückholen. Ohne westliche Unterstützung würde die Karzai-Regierung nicht lange durchhalten. 38 Nationen der von der NATO geführten ISAF, International Security Assistance Force, wären sowieso durch Restriktionen gebunden (Schießen nur in Selbstverteidigung etc.). Die USA wollen 3500 mehr militärische Ausbilder, mehr Hubschrauber und mehr Bodentruppen, aber diese Bitte würde auf taube Ohren treffen.
Talibanüberfall 19.12.07// The.australien.news.com - 15 afghanische Wachmänner, die für eine US Firma (USPI) in der Farah-Provinz arbeiteten wurden bei einem Talibanüberfall getötet. Die Wachmänner begleiteten einen zivilen Konvoi zu der Militärbasis Bala Buluk. Die NATO und Verbündete haben 33000 Soldaten in Afghanistan. Dieses Jahr war seit der Vertreibung der Taliban 2001 das blutigste. In den ersten Monaten des Jahres 2007 wurden 77 Selbstmordattentate durchgeführt. Die letzten Monate waren es 140.
Deutsche Tornado-Jets an der Vorbereitung von »Targeted killings« beteiligt?17.12.07// Junge Welt - Deutsche Tornado-Aufklärungsflugzeuge liefern in Afghanistan möglicherweise wichtige Informationen für die gezielte Ermordung angeblicher Taliban-Führer. Darauf weist das Münchner Magazin Focus in seiner neuen Ausgabe hin. Darüber hinaus seien Bundeswehroffiziere in die ISAF-Stäbe eingebunden, in denen die Ziele für solche Tötungsaktionen festgelegt werden. Auf Anfrage des Magazins wollte sich das Bundesverteidigungsministerium nicht äußern, ob deutsche Tornado-Jets an der Vorbereitung von »Targeted killings«, wie die Liquidierungen in der Militärsprache genannt werden, oder an der Kontrolle der Ergebnisse derartiger Angriffe beteiligt sind. Focus zitiert einen Rechtsberater der deutschen ISAF-Truppen mit der Ansicht, daß schon die Beteiligung an der Zielauswahl juristisch problematisch sei, weil sich die NATO-Richtlinien »nicht mit deutschen Vorbehalten in Einklang bringen lassen«.
15.12.07// times online. Die Briten haben Musa Qala in der Helmand Provinz nach heftigen Kämpfen wieder zurückgewonnen. Es gilt nun die Menschen zu überzeugen, unter wem sie es besser haben: Unter den Taliban oder unter der afghanischen REgierung. Manche sagen, dass es ihnen egal ist, wer die Stadt in der Hand hat, die Hauptsache die Sicherheit wäre gewährleistet. Ahmad Nurzai, ein Ladenbesitzer, der Kekse und Früchte an die US- paratroopers verkauft, meinte: „Die Taliban sind arme Leute, sie haben nicht das Geld um einzukaufen. Ich kümmere mich nicht um Politik. Ich möchte nur ruhig leben.
11.12.07// Bbc Online. Die afghanische Regierung gibt bekannt, dass es falsch war zu sagen, dass man während der Kämpfe um Musa Qala zwei Talibankommandeure festgenommen hätte, nämlich Mullah Matin und Mullah Rahim, zwei bekannte Talibankommandeure in der Helmandprovinz. Man hätte die Identitäten verwechselt. In der Operation wären keine Taliban umgekommen. Inzwischen wurde – nach amerikanischen und britischen Berichten – Musa Qala eingenommen. Lokale Bewohner erzählten, dass die Verluste der britischen und US-Truppen weitaus höher seien, als angegeben wurde.
November 2007
28.11.07// Xinhua. Die Koalitionstruppen unter Führung der USA haben bei einem Luftangriff 12 Arbeiter einer Baugesellschaft getötet un d zwei verletzt. Dies machte der Gouverneur von Nuristan, Tamim Nuristani, bekannt.
24.11.07// Junge Welt . Allein in diesem Jahr stieg die Herstellung des harten Stoffs in Afghanistan um 34 Prozent – eine Verdoppelung seit 2005. Nach dem jüngst in Kabul vorgelegten Bericht der UNO-Anti-Drogenbehörde für Europa, West- und Zentralasien (ONUDC) wurden 2007 vor allem in den Grenzregionen zu Pakistan und zu Iran rund 8200 Tonnen Opium angebaut, was etwa 90 Prozent des weltweit hergestellten Opiums entspricht. »Diese enorme Menge wird eine Flutwelle in der Region auslösen, und es ist notwendig, darauf zu reagieren«, kommentierte ein Sprecher der Vereinten Nationen die Fakten eher hilflos.
Es ist ein Unterschied ob Zivilisten von der NATO oder von den Taliban getötet werden 22.11.07// BBC ohnline –Die UNO drückte ihre Besorgnis aus, weil die internationalen Kräfte sehr viele Zivilisten töten. Jan die Hoop Scheffer, NATO-Generalsekretär meinte, man müsse zu Hause die Herzen und Köpfe gewinnen, um mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken. Für Präsident Karzai geht es mehr darum die Herzen und Köpfe der Afghanen zu gewinnen. Karzai steht unter Druck, er kennt die Lage der Leute. Erst vor kurzem fand ein organisierter Protest in der Helmand Provinz statt. Scheffer sagt: Die NATO hätte ihre Taktik geändert, damit es weniger Verluste unter der Zivilbevölkerung gibt. Scheffer meinte, dass man die durch die Taliban getöteten Zivilisten und die von der NATO getöteten moralisch nicht gleichsetzen könne.
22.11.07// The Guardain – Die Taliban sind zu 54% in Afghanistan present und das Land ist in Gefahr wieder in die Hände der Taliban zu fallen. Der Senlis Council Bericht warnt, dass der Aufstand einen signifikanten Betrag an psychologischer Kontrolle ausübt, die mehr und mehr in den Köpfen der Bevölkerung an politischer Legitimität gewinnt. Die Afghanen hätten eine lange Geschichte mit wechselnden Allianzen und Regimewechsel. Die Frontlinie würde immer näher auf Kabul zurücken. Eine Warnung, die auch von der UNO bestätigt wird, die sagt, dass immer mehr Teile des Landes zu einer "no go" Ära werden.
22.11.07// www.voanews.com – Hamid Karzai sagte, dass immer mehr Talibanführer versuchen mit der Regierung Kontakt aufzunehmen, um Frieden zu schließen. Er hätte letzte Woche in Pakistan mindestens fünf wichtige Treffen mit deren Führern gehabt, die wieder nach Afghanistan zurück wollten. Es wären allerdings alles individuelle Treffen gewesen, ohne Autorisierung der Gesamtführung der Taliban.
22.11.07// AFP — Die Behörden wollen alle privaten Sicherheitsfirmen, die im Land operieren, schließen. Das Büro des Präsidenten gab bekannt, dass viele illegal operieren würden. Neun Firmen, die keine Lizenz hatten wurden bereits geschlossen. Nur die Regierung hat gemäß der Verfassung das Recht Waffen zu besitzen und zu handhaben. Deshalb sind private Gesellschaften gegen die Verfassung, so Siamak Hirawi, Präsidentensprecher.
.Sie haben Bierhallen und Nachtclubs und behindern die Operation Desert Eagle. .
18.11.07// The Sunday Times. Deutsche Helikopterpiloten, die die NATO Bodentruppen medizinisch unterstützten, fliegen von ihren Stellungen vormittags, dass sie bei Sonnenuntergang zurück sind. Sie „weigern sich im Dunkeln zu fliegen, dies behindert die Operation Desert Eagle, eine allierte Offensive mit 500 NATO Truppen plus 1000 afghanischen Soldaten und Polizisten. Obwohl Deutschland 3200 Truppen nach Afghanistan geschickt hat, haben sie ganz strikte Regeln unter denen ihr Engagement steht. Sie verbringen die meiste Zeit in einem großen Camp in Mazar-e Sharif, das mit einer Bierhalle und einem Nachtclubs ausgestattet ist. Eine Basis befindet sich auch in Kunduz... Ein Norwegischer Offizier, der den ganzen Tag in Kämpfen mit mehr als 40 Taliban bei Jari Siya in Badghis verwicklet war, sagte: Es ist hoffnungslos. Wir greifen die bad guys an, dann um 3 oder 4 Uhr fliegen die Hubschrauber zurück... .
17.11.07// Thestar.com - Die NATO lehnt separate NATO-Gefängnisse für Kriegsgefangene, um sie vor Folter zu schützen, ab. Dass die Kanadier Gefangene an afghanische Gefängnisse übergeben wurde von Amnesty International kritisiert. Der kanadische MP Denis Coderre, sagte dass Dokumente beweisen würden, dass Kanada die Genfer Konvention verletzt und „dass diese Transfers gestoppt werden müssen, die Gefangenen zurückgebracht und diese Konvention respektiert werden muss.
17.11.07// AP – Bis zu zwei Drittel der getöteten 77 Menschen und 100 Verwundeten bei einem Selbstmordanschlag wurden von in Panik geratenen Bodyguards der Politiker erschossen oder verletzt. Sie feuerten in eine Menge, von denen die meisten Schülerinnen und Schüler waren. Das afghanische Innenministerium gab bekannt, dass nur eine geringe Anzahl der Opfer durch Gewehrschüsse getötet worden sei. Aber ein Politiker der Baghlan Provinz sagte gegenüber AP, dass die Bodyguards “were raining Bullets on the crowd”. Ein Arzt, der die Verwundeten behandelte, sagte, dass er von Regierungsverantwortlichen Anweisungen bekommen habe, die Anzahl der durch Gewehrschüsse Getöteten nicht bekannt zu geben. Unter den Toten befanden sich 61 Schüler und fünf Lehrer, so ein Berater (Hamid Almi) des Bildungsministeriums. Auch sieben Parlamentarier und fünf Bodyguards wären umgekommen.
Oktober 2007
07.10.07// scotlandonsunday.scotsman.com – Letzten Monat gab der US Verteidigungsminister Robert Gates grünes Licht (d.h. 40 Mio. Dollar) für die Expansion eines Programmes: Gesucht werden Anthropologen und Sozialwissenschaftler für die 26 US Kampfbrigaden im Irak und Afghanistan für den Kampf gegen die Taliban und andere. Letzten Monat wurden 5 Teams für das Bagdadgebiet zusammengestellt. Aber…. es scheint Kritik zu geben (unter den Wissenschaftlern) gegen diese Politik. Vom Missbrauch der Sozialwissenschaften für Counterinsurgency Operationen ist die Rede. Es ist auch die Rede von “Söldneranthropologie” und Ausnutzung der Sozialwissenschaft für politische Zwecke. Man fürchtet, dass die Wissenschaftler, die für das Militär arbeiteten, die ganze Wissenschaft in Verruf bringen könnten. Es gibt einen Aufruf von Anthropologen, die ihre Kollegen auffordern, dies zu boykottieren. Die Armee scheint begeistert von der Idee: ein Offizier sagte, dass die Ratschläge der Wissenschaftler brilliant wären und ihnen helfen würde, die ganze Sache aus afghanischer Perspektive zu sehen.
September 2007
29.09.07// The Guardian. Die Taliban könnten in Südafghanistan das von den Briten gehaltene Gebiet wieder zurückerobern, warnte gestern der NATO-Kommandeur Dan McNeill. Die Briten hätten zwar Erfolg gehabt in den Helmand Provinz, aber sie hätten jetzt Schwierigkeiten. Dieses Jahr haben die Briten bereits 35 Tote zu verzeichnen. Die Truppen sollen auf 7700 (das Doppelte) aufgestockt werden.
25.09.07// NYT – KABUL. Das Parlament hatte im Mai mit überwältigender Mehrheit (wegen Imkompetenz) den Präsidenten aufgefordert, den Außenminister, Rangeen Dadfar Spanta, seines Postens zu entheben. Was nicht passierte, weil Spanta die Rückendeckung von Hamid Karzai hat. Jetzt haben die Gegner von Karzai damit gedroht, das Parlament zu boykottieren, bis Spanta von seinem Posten entfernt wird. Mehr als 50 Abgeordnete, die meisten sind Mitglieder einer neuen oppositionellen Koalition, haben mit Rücktritt gedroht. Es ist ernst, meinte Wadir Safi, von der Rechtsfakultät der Universität Kabul, „es ist gefährlich für die Regierung und für die Nation.“
18.09.07// Reuters – Präsident Karzai hat Kanada gebeten, ihre Truppen nicht zurückzuziehen, sondern zu warten bis ihre Mission 2009 zu Ende ist. Das würde sonst nur den Taliban helfen. Kanada hat 2500 Soldaten in Afghanistan. 70 sind bis jetzt umgekommen. Die meisten von ihnen durch Bomben, die an der Straße plaiert waren, in der Nähe ihres Stützpunktes bei Kandahar. Oppositionsparteien in Kanada sind der Meinung, dass die Truppen eh schon viel zu lange dort sind und die Taliban bekämpft hätten. Stattdessen würde man den Wiederaufbau des Landes ignorieren.
12.09.07// AFP – Der UN-Gesandte für Afghanistan, Tom Koenigs, kritisierte die eingeschränkte Rolle der Bundeswehr. “Ich meine, dass die hier stationierte Bundeswehr die Polizei im Kampf gegen Drogen und Drogenlabore unterstützten und nicht sagen sollte ‚Damit haben wir nichts zu tun’." Königs schwärmte von dem ausgezeichneten Polizeichef von Badakshan, der im Kampf gegen die Drogen keine Unterstützung hätte. Weiterhin sagte Königs: „Die Taliban haben viele Facetten, man sollte sie nicht in einen Topf werfen.“
11.09.07// AP - Ein Talibansprecher gibt bekannt, dass die USA und andere militärische Kräfte Afghanistan verlassen müssten, bevor sie bereit wären mit Friedensgesprächen zu beginnen. Qari Yousef Ahmadi gegenüber AP: Wenn die Regierung ein formales Angebot machen würden, wären sie bereit für ein Treffen. „Wir werden unseren Jihad gegen die USA und ihre Verbündete fortführen, bis sie das Land verlassen…erst dann werden die Taliban bereit sein für Verhandlungen.“
07.09.07// Timesonline.co.uk – GB riskiert in der Außenpolitik eine neue Auseinandersetzung mit den USA, weil frei geäußert wurde, dass die Bushregierung in Afghanistan “Schlachten gewinnt, aber den Krieg verliert.” Gordon Brown und David Miliband, Außenminister, fürchten, dass die USA so auf den Irak fixiert ist, und die wirkliche Front des – wie sie es nennen – Kriegs gegen den Terror aus den Augen verlieren. GB ist auch gegen das Besprühen von Opiumfeldern mit Chemikalien und die Bombardierung von afghanischen Dörfern, das die britische Strategie der „Gewinnung von Herzen und Köpfen“ unterminiert.
07.09.07// CSM. Shabak Valley, Afghanistan – Wie weit ist man gekommen, mit der Counterinsurgency Strategie der US-ARmee? Im Shabak-Tal gibt es eine uniformierte Anthropologin, die mit der Armee arbeitet. Sie ist Teil des Human Terrain Team (HHT) – das erste in dieser Art – und spricht mit Hunderten von afghanischen Männern und Frauen, um zu lernen, wie sie denken und was sie benötigen. Eine Entdeckung hat sie bereits gemacht, die dazu beitragen könnte, dass die Taliban in diesen Tälern keine jungen Männer mehr rekrutieren: Das Gebiet hat eine Überzahl von Witwen und ihre Söhne die sie schützen müssen, sind so enger an das Haus gebunden. Aber Jobs gibt es nicht viel. Jetzt, arbeitet das HHT daran, dass die Frauen Textilien und Decken herstellen, damit ihre Söhne frei sind, um Arbeit zu finden. Dies ist also die neue Art der „smarter counterinsurgency“, die unter dem Namen "Operation Khyber" am 22. August begonnen hat.
August 2007
30.08.07// ynetnews.com/ Die israelische Firma TeraPro wird auf dem Flughafen von Kabul hervorragende Schutzvorrichtungen installieren, weil der Flughafen nicht vor Raketen- und Autobombenangriffe geschützt ist. Die Firma soll auch eine Mauer, die resistent ist gegen Bombenanschläge, um den Flughafen bauen. Die USA wollten, dass die TeraPro Ingenieure nach Afghanistan kommen, um die Installation zu überwachen, das wurde abgelehnt. Beide Seiten stimmten überein, dass Nichtisraelis, Repräsentanten der Firma das Projekt überwachen. Alle hebräischen Inschriften/Aufschriften der TeraPro Produkte werden entfernt, bevor sie über Jordanien nach Afghanistan transportiert werden. TeraPro arbeitet auch mit der US-Armee im IRak zusammen. Auch in Jemen bestehen neuerdings gute Aussichten für die Firma.
25.08.07// New York Times. Das US-Counternarcotics program im Werte von 600 Mio. Dollar hat bisher kein Ergebnis gezeigt. Der US-BOtschafter, William B. Wood, “Ich denke, dass wir einen neue Strategie finden müssen.” Er hält das Besprühen der Mohnernte mit Herbiziden für eine Möglichkeit. Afghanen und Britten haben das abgelehnt, weil es die Bauern in die Arme der Taliban treibt. Im Norden scheint der Anbau zurückgegangen zu sein, aber im Süden, wo sich die meisten Taliban befinden, sei er angestiegen. In den von den Taliban kontrollierten Gebieten, haben Händler mehr Labore für die Herstellung von Heroin errrichtet. In Helmand z.B. gab es 30 Labore, jetzt 50.
24.08.07// abcnews – Abdul Bari Atwan, chefredaktuer von al-Quds al-Araby, interviewte Usama ben Laden 1996 in den Bergen von Afghanistan. ABC TV's Lateline interviewte Atwan. Atwan: “Es scheint so, als ob Usama ben Laden eine Langzeitstrategie hatte.“ Weil der die USA nicht in ihrem eigenen Land bekämpfen konnte, versuchte er sie zu provozieren, dass sie in den Mittleren Osten, in die muslimische Welt, kommen. „Es scheint als ob die Invasion seinen Wunsch erfüllt hat. Deshalb verlieren die USA im Irak, finanziell und auf menschlicher Basis, und selbst ihre Verbündeten, eingeschlossen Australien, verlieren die Geduld, verlieren Geld, verlieren Leute und verlieren ihre Reputation in diesem Teil der Welt.“
24.08.07// yahoo.news. Kabul – Drei britische Soldaten wurde von einer von einem US-Flugzeug abgeworfenen Bombe, getötet. Eigentlich sollten sie die britischen Soldaten bei ihrem Kampf gegen die Taliban unterstützten. „Die Jungs waren letzte Nacht auf einer Routinepatrouille nordwestlich von Kajaki“, sagte ein britischer Militärsprecher in Helmand. Da sie angegriffen worden seien, hätten sie um Luftunterstützung nachgefragt, die dann von zwei US F-15 Jägern kam.
23.08.07// http://blog.wired.com/defense/2007/08/superbombs-spre.html - Die EFPs, Explosively-Formed Penetrator Waffen, die die Aufständischen im Irak benutzen, werden auch in Afghanistan benutzt. Col. Tom Kelly, chief of ISAF Counter-Explosives Operations': "We don't see Afghanistan and Iraq are associated on the improvised explosive devices (IEDs). We think Afghanistan and IEDs seen in Afghanistan really have their own unique signature."
23.08.07//http://rawstory.com/news/2007/British_Army_deploys_new_weapon_based_0823.html - Die britischen Soldaten bekommen in Afghanistan eine neue Superwaffe. Die Technologie dieser Waffe basiert auf "thermobaric" Prinzipien, die Hitze und Druck benutzen um Menschen zu töten. Sie sterben, weil die Luft aus ihren Lungen gesaugt wird und innere Organe zerstört werden. Dem Guardian wurde gesagt, dass die neue Waffe effektiver sei, weil der SChaden in dem Gebiet gering wäre.
19.08.07// AFP – Als die Taliban bezüglich der Koreageiseln sich an Journalisten wandten, war das die erste Pressekonferenz der Miliz seit fünf Jahren. Das ging durch die Medien und um die Welt. Die Bilder zeigten Mitglieder der Taliban, die von den USA gejagt werden, die auf der Straße mit Journalisten sprachen. Regierungsbeamte in Ghazni waren so wütend, dass sie Fotographen und Journalisten daran hinderten ihr Hotel zu verlassen oder ihnen mit Verhaftung drohten. Die Taliban zeigten Videos mit den Geiseln, organisierten Interviews mit einem Südkoreaaner und einem Deutschen. Dies half ihnen Druck auf die Regierung auszuüben. Die Taliban haben ihr Medienarsenal erweitert. Journalisten werden angerufen, Textbotschaften erstellt, DVD mit Jihad-Aktionen gehören dazu. Ironischerweise kommt dies ausgerechnet von einer Bewegung, die das Fernsehn, Fotos, Videos und das Internet verbannt hat.
15.08.07// AP – Die Selbstmordrate unter den US-Soldaten ist so hoch wie seit 26 Jahren nicht mehr, was – laut einem neuen Armeebericht – zu tun hat mit den Einsätzen in Afghanistan und Irak. Laut dem Bericht gab es 2006 99 bestätigte Selbstmorde unter aktiven Soldaten. 28 Soldaten nahmen an zwei Kriegen teil und 71 nicht.
08.08.07// Sangin, Südafghanistand, Helmandprovinz. Ein britischer Kommandeur in Südafghanistan forderte die Spezialtruppen der US-Armee auf, sein Operationsgebiet zu verlassen wegen der hohen Zahl der zivilen Opfer, die ihre Einsätze verursachen. Er könne deshalb unter der dortigen Bevölkerung kaum Fuß fassen. Andere britische Offiziere in der gleichen Provinz, die nicht wollten, daß ihr Name erwähnt wird, kritisierten die US-Armee wegen ihrer rücksichtslosen Bombardierung, die eine hohe Zahl an zivilen Opfer fordert. Durch den extensiven Einsatz ihrer Luftwaffe würde sich die Stimmung der Menschen gegen die ausländischen Truppen wenden und nicht gegen die Taliban. Ein Sprecher der US-Streitkräfte verneinte, dass es je eine Aufforderung an die Amerikaner gegeben hätte, das Gebiet zu verlassen (weder schriftlich noch mündlich), auch hätte ihr Einsatz nicht die meisten Opfer verursacht. Dies läßt auf starke Meinungsverschiedenheiten innerhalb der NATO und US-Armee bezüglich der Taktik des Kampfes gegen die Taliban schließen.
04.08.07// yahoo.com - Afghanistan hat dieses Jahr wieder eine Mohnrekordernte. Dies festigt seinen Status als der einziger und größter Heroinlieferant. Die USA will mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Am Wochenende wird Präsident Bush Gespräche mit Präsident Hamid Karzai führen. Die USA und ihre NATO-Verbündeten wollen ein Counterdrogen-Programm in der Höhe von 475 Mio. Dollar anleiern. Man vermutet eine zunehmende Verbindung zwischen Drogen und Taliban. Laut UNO ist die Mohnproduktion gegenüber dem Vorjahr um 15% gesteigen, das wären 95% der Welternte. Die Antidrogen-Vorschläge der USA treffen auf Widerstand, Millionen Dollar sind vorgesehen für die Zerstörung der Mohnfelder, Verhaftung und Bestrafung von Drogendealern und von korrupten Beamten und für eine alternative Produktion. Der Erfolg wird angezweifelt.
Juli 2007
27.07.07// edmontonsun.com/News/Canada — Der kanadische Kommandeur, Brig.-Gen. Guy Laroche sagte, daß es schwierig wäre in diesem Konflikt die Todesrate der kanadischen Soldaten zu stoppen. Laroche ist gerade angekommen und löst Brig.-Gen. Tim Grant ab, der neun Monate in Afghanistan war. Dies kam bei Politikern nicht gut an. Premierminister Stephen Harper sagte, daß seine Regierung die toten Soldaten nicht auf die leichte Schulter nehmen würde, aber dies würde nichts daran ändern, daß sie an den Operationen bis 2009 teilnehmen würden. 66 kanadische Soldaten sind seit 2002 in Afghanistan gestorben.
27.07.07// Reuters – Dutzende von Zivilisten, Frauen und Kinder sind bei einem Luftangriff der NATO in Südafghanistan getötet worden. Im Girishk Distrikt der Provinz Helmand wurden über 50 Zivilisten getötet, dies berichteten Einwohner der Presse. Es hätte ein Kampf gegeben zwischen Taliban und NATO-Truppen, aber getötet wurden die meisten bei dem NATO-Bombardement. Der Distriktchef von Girishk, Manaf Khan, sagte, daß heftige Kämpfe zwischen den Taliban und der NATO stattgefunden hätten. Die Zivilisten wären vor den Bomben der NATO geflohen, dabei wären 27 oder 28 getötet worden. Über die Verwundeten hatte er keine Informationen. Die Briten sagten es hätte Kämpfe gegeben aber von diesen Ereignissen hätten sie keine Kenntnisse. Der zweite Angriff traf zwei Häuser im Uruzgan, Char Cheno Distrikt. Dabei wurden 15 Zivilisten getötet, so berichteten mehrere Dorfbewohner den Journalsiten von Reuter.
23.07.07// Afghanistans ehemaliger König, Zahir Schah, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Er herrschte seit 1933 in Afghanistan, wurde 1973 abgesetzt und lebte im Exil in Italien. 2002 kehrte er zurück. Die Loya Jirga gab ihm den Ehrentitel „Vater der Nation“.
19.07.07// www.democracynow.org/ Der al-Jazeera Kameramann Sami al-Hajj ist im Guantanamogefängnis, ohne Anklage. Dort ist je jetzt bereits 5 ½ Jahre. Der AP Fotograph Bilal Husain war über ein Jahr lang in einem irakischen Gefängnis inhaftiert. Die US-Behörden haben bisher nichts belastendes veröffentlicht. Der BBC-Reporter Alan Johnston war 114 nach einem kidnapping inhaftiert. Der Fall war in aller Munde, die ganze Welt hat Anteil genommen und die Freilassung gefordert. Sämtiche Menschenrechtsorganisationen waren aktiv. Der inhaftierte Sami al-Hajj lies Johnston über seinen ANwalt eine Botschaft zukommen: “Die USA hat mich gekidnappt und jahrelang inhaftiert, aber dies ist keine Lektion die Muslime kopieren sollten.” Sami al-Hajj ist Sudanese, er arbeitete als Kameramann für al-Jazeera, am 15. Dezember 2001 wurde er in einer pakistanischen Stadt an der afghanischen Grenze festgenommen. Dann wurde er in US-Haft genommen in der Bagram Air Base. Sechs Monate später wurde er nach Guantanamo geflogen. Jetzt erscheint ein Artikel als cover story im Columbia Journalism Review. Der Artikel ist von Rachel Morris, eine der Herausgeberinenen von Washington Monthly, und heißt: „Prisoner 345: Was passierte mit Sami al-Hajj von al-Jezeera.
18.07.07// Reuters. Eine detaillierte Studie des britischen Parlaments zeigt, daß die Taliban zunehmend starker werden. Der Bericht vom House of Commons Defense Committee, weist auf einige wichtige Punkte hin: zu wenig AUsbildung für die afghanische Polizei und das Militär, eine unklare Politik der Ausrottung der Mohnernte. Die Briten haben 7100 Soldaten in Afghanistan. In dem Bericht heißte es auch: „Wir sind tief besorgt, daß sich einige NATO-Länder weigern Truppen für die ISAF bereitzustellen. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der NATO und der ISAF Operationen. So heißt es in dem 65 seitigen Bericht. Ein NATO-Sprecher meinte, daß der Generalsekretär der Allianz, Jaap de Hoop Scheffer, diese These als falsch zurückweise.
18.07.07// Abdul Sattar Murad, Gouverneur der PRovinz Kapisa, warnte vor dem Machtvakuum das die Taliban und al-Qaida in bestimmten Gebieten ausnutzen. Er kritisierte die Regierung von Hamid Karzai, weil sie ihre Versprechungen nicht eingehalten hätte. Drei Tage später wurde er von Karzai entlassen. Offiziell heißt es, er sei incompetent. Er hätte nicht dem Volk von Kapisa gedient, sagte der Innenminister. Er hättet auch die NATO irregeführt, wegen der Luftschläge auf seine Provinz. Die NATO äußerte sich nicht dazu. US Militär bezeichneten Murad als einen fähigen Politiker.
07.07.07// NYT. Der Chef des Stammesrates in der Farahprovinz, sagte, daß 108 Zivilisten bei einem NATO-Luftangriff gestern getötet wurden. Der NATO-Sprecher verneinte dies. In einem Telefoninterview sagte der Stammeschef, Hajji Khudai Rahm, daß „NATO-Soldaten mit Soldaten der afghanischen Nationalarmee und der nationalen Polizei in das Dorf Shewan kamen. Sie sagten uns, daß sie für die Durchsuchung drei oder vier Stunden benötigten. Als wir noch redeten begann der Kampf, 20 Häuser wurden zerstört durch Flugzeugbomben….Wir zählten 108 Tote, Frauen und Kinder eingeschlossen…14 lokale Polizisten befanden sich unter den Toten. Zur Zeit ist es ruhig, aber die Leute graben im Schutt nach Toten.“ Maj. John Thomas, Sprecher der NATO, sagte, daß die Allianz Luftbombardements in Farah und Kunar für die besagte Zeit befohlen habe.
06.07.07// rawstory.com – Unabhängigen Quellen zu Folge sind NATO- und US-Truppen verantwortlich für mehr zivile Tote in der ersten Hälfte diesen Jahres, als die militanten Taliban. Ungefähr 600 afghanische Zivilisten sind dieses Jahr getötet worden. Die UN zählt 314 zivile Tote, verursacht durch die NATO und US-Truppen zwischen Januar und Juni, verglichen mit 279 Toten, die von den Taliban oder anderen militanten Kräften, getötet wurden.
01.07.07// Washington Post Nach Berichten afghanischer Abgeordneter sind wahrscheinlich mehr als 100 Zivilisten bei den NATO- und US-Angriffen in der Provinz Helmand getötet worden. Der Abgeordnete Wali Khan: "Mehr als 100 Menschen sind getötet worden. Und das waren keine Taliban. Die Taliban waren weit weg von dem Ort.” Khan ist der Repräsentant des Gebietes. Weiter: “Die Menschen sind bereits sehr unglücklich mit dieser Regierung. Aber dieses Töten von Zivilisten, wird die Menschen dazu bringen, gegen die Regierung zu revoltieren.“ Mahmood Anwar, ebenfalls Parlamentsmitglied aus Helmand, sagte, daß die Todesrate ungeführ 100 beträft, darunter Frauen und Kinder, nur ein paar Taliban wären getötet worden.“ Major John Thomas, Sprecher der NATO, sagte, daß die Taliban angegriffen hätten und die Truppen zurückgeschossen hätten. Die Taliban hätten von einem Grabennetzwerk aus geschossen. Man hätte US-Helikopter und NATO-Bomber zur Hilfe geholt. Die Truppen hätten dann unter den Toten Zivilisten gefunden. „Dies zeigt uns, immer wieder, daß die Militanten bereit sind zu schießen, wenn sie sich unter Zivilisten befinden.“ Und Maj. Chris Belcher svon der US-Armee: „die Aufständischen fahren mit ihrer Taktik fort, sie benutzten Frauen und Kinder als Schutzschilder im Nahkampf." Hamid Karzai hat dieses Argument nicht akzeptiert. Er meinte, daß die internationalen Truppen das tun müßten, was die Regierung ihnen aufträgt.
Juni 2007
28.06.07// Reuters. Die USA und die NATO haben sich geweigert, Daten über die ANzahl der Talibanangriffe dieses Jahr, herauszugeben. Die letzten 18 Monate waren die blutigsten seit die USA die Talibanregierung 2001 verjagt hat. US-Verantwortliche haben die Aktivitäten der Taliban im Frühling heruntergespielt.
24.06.07// abcnews.go.com. Präsident Hamid Karzai klagt die NATO und die US-Truppen an, sorglos mit den afghanischen Zivilisten umzugehen und zu töten. Auf diese Weise könnte der Kampf gegen die Taliban fehlschlagen. In den letzten 10 Tagen wurden mehr als 90 Zivilisten getötet, entweder durch Artilleriefeuer oder durch Bombardierung aus der Luft.
19.06.07// JungeWelt. Kabul. Sieben Kinder sind Opfer der US-geführten Besatzungstruppen in Afghanistan geworden. Wie das Kommando der »Operation Enduring Freedom« (OEF) am Montag mitteilte, sei am Vorabend eine Koranschule im Distrikt Sarghun Schah in der Provinz Paktika aus der Luft angegriffen worden, weil diese »Al-Qaida-Anhängern als Rückzugsort gedient« habe. Der Tod der Kinder sei »zu bedauern«, doch seien für ihn letztlich »Extremisten« verantwortlich, die sich auf dem angegriffenen Gelände »verschanzt« hätten, wie OEF-Sprecher Chris Belcher mitteilte. Belcher sprach von einem »ruchlosen Vorgehen« der Aufständischen, unter denen es mehrere Tote gegeben habe.
17.06.07// thestate.com – Die NATO hat ein Imageproblem. Ein US-Soldat, der nach dem Selbstmordanschlag mit dem Maschinengewehr in die Menge schoß – zeigt warum. Die Taliban erklärten sich sehr schnell verantwortlich für den Anschlag auf den US-Konvoy, der vier Zivilisten das Leben kostete. Die Menschen reagierten aber erst, als der US-Soldat in die Menge schoß. Es gab einen Toten und mehre Verletzte. Ungefähr 50-100 Leute schrien “Tot für Amerika” und andere zeigten mit den Fingern auf die afghanische Polizei.. Sie sind gegen uns, sie sind gegen die Afghanen, sagte ein Mann, Abdul Rahim. „Sie töten Muslime“. Der stellvertretende Polizeichef von Kabul, Zalmai Khan, und US-Beamte erklärten, es sei in Unfall gewesen. Der Soldat habe das Gewehr zur anderen Seite geschwenkt und dabei hätten sich Schüsse gelöst.
10.06.07// aljazeera.com. Statt Verhörtechniken, die unter die Folter fallen, und die vom CIA in den geheimen “oversea”-Gefängnissen, Guantanamo, Afghanistan und Irak angewandt werden, werden neue Methoden angewandt und entwickelt. Letzte Woche wurde darüber ausführlich in der New York Times berichtet. Der Präsident hat neue Anweisungen gegeben, er hat freie Hand die die Genfer Konvention auszulegen. Dies wurde getan, um, US-Beamte vor der Bestrafung zu schützen und den Weg freizugeben, für eine Präsidentendirektive, die den CIA autorisiert, Methoden durchzuführen, die eine Verletzung des Artikel III der GEnver Konvention bedeuten. Internationale Gesetze, eingeschlossen die Genfer Konvention, werden so interpretiert, daß sie amerikanische Gesetze nicht einschränken. Top-Anwälte würden hart daran arbeiten, wie das zu machen geht. Das Büro des Inspector General of the Department of Defense erstellte kürzlich einen Bericht, über den Mißbrauch von Gefangenen. Dort werden Folterprogramme diskutiert, die von den USA angewandt werden und der illustriert, wie einige dieser Methoden das Army Field Manual verletzten. Solche Taktiken würden in Guantanamo Bay angewandt und dann im Irak übernommen. Populär wurde dies, als dies 2002 bekannt wurde. Foltermethoden wie „water boarding“ (der Gefangen ist an Händen und Füßen gefesselt, das Gesicht wird bedeckt und permanent einem Wasserstrahl ausgesetzt), Todesdrohungen, „cold weather exposure“ (Wahrscheinlich das Entziehen von Körpertemeratur) wurden von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld autorisiert. Bis heute werden diese Techniken im Irak und in Afghanistan angewandt. In dem erwähnten Bericht werden diese Methoden kritisiert und Bezug genommen auf die zunehmende Gewalt im Irak. Die neuen Techniken, so die NYT, die vom CIA weiterentwickelt wurden, kommen wahrscheinlich aus der Sowjet Union.
Mai 2007
19.05.07// Angryarab.blogspot.com. Sharmeen Obaid-Chinoy (The Indepentend vom 17. Mai) besuchte eine Mädchenschule in der Provinz Takhar. Während die Mädchen während der Talibanzeit im Geheimen unterrichtet wurden, wird jetzt regulärer Unterricht abgehalten, viele Mädchen sind nicht verschleiert. Es folgt ein Interview in der Mädchenschule in Taloqan. Obaid interviewt EIN Mädchen, das sagt: ‚Mein Vater möchte nicht, daß ich in die Schule gehe. Er haßt, wenn ich zu Hause lerne. Aber meine Mutter und Großmutter unterstützen mich beim lernen, deshalb kann ich in die Schule.’ Obaid sagte: ‘Männer in Afghanistan ermutigen ihre Töchter nicht zum Lernen.’ So weit der Independent. Die afghanische Übersetzerei (sie möchte nicht die Veröffentlichung ihres Namens) wandte sich an das Mädchen und sagte: ‚Meinst du nur deinen Vater oder alle afghanischen Männer, die nicht wollen, daß ihre Töchter lernen?’ Sie antwortet: Mein Vater ist Analphabet. Aber schauen sie sich um, es gibt eine Menge Mädchen hier, deren Väter sie ermutigen zu lernen. Das hat nun keinen Eingang in THe Independent gefunden.
16.05.07// Bei Luftangriffen wurden 50 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, im Zerkohtal, Provinz Herat, getötet. Brigadier General Perry Wiggins verteidigte die Angriffe als notwendig, um seine Einheit zu schützen, die am 27. und 29. April unter Beschluß genommen wurde. Alle Ziele wären als feindlich identifiziert worden und wären unter Beobachtung gewesen. Präsident Karzai besuchte das Zerkohtal und sagte den Dörflern, daß er die ausländischen Truppen dazu angehalten habe, mehr Sorgfalt walten zu lassen.
16.05.07// The Washington Times. Wieder wurden 20 Zivilisten von britischen Truppen in der Helmandprovinz getötet. Die Entschuldigung des Kommandeurs, Brig. John Lorimer: Die Taliban seien feige und würden sich hinter den Zivilisten verstecken. Das war der dritte Vorfall in den vergangenen Wochen, bei dem afghanische Zivilisten von NATO-Truppen getötet wurden. Helmands Gouverneur, Assadullah Wafa, versprach in der Jirga (Versammlung), daß die NATO-Truppen solche Aktionen nicht wiederholen würden. Es scheint, so wird das von TWT eingeschätzt, daß es Anzeichen gibt, daß die afghanische Öffentlichkeit zornig ist auf die Talibanaktionen, aber auch auf die der NATO.
03.05.07// alertnet.org. (IRIN) –Ungefähr 1600 Familien mußten flüchten, andere brauchen humanitären Beistand nachdem US-Bomber verschiedene Dörfer im Shindand-Distrikt, westlich der Provinz Heart, gebombt haben. “Hunderte von Häuser wurden zerstört und tausende MEnschen brauchen Nothilfe”, so der Direktor der Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC) in Herat, Ghulam Nabi Hakak, gegenüber IRIN.
03.05.07// AP/jW . Nach Berichten über die Tötung von mehr als 50 Zivilpersonen bei Luftangriffen in Afghanistan haben die Vereinten Nationen eine Untersuchung eingeleitet. UN-Vertreter wollen klären, ob es bei den Militäreinsätzen afghanischer und US-Truppen am Wochenende zu einem »unüberlegtem Einsatz von Gewalt« gekommen sei, sagte Adrian Edwards von der Afghanistan-Mission der Vereinten Nationen (UNAMA). Nach Angaben der Besatzungstruppen wurden bei den Einsätzen in der Provinz Herat 136 mutmaßliche Taliban getötet. Der Provinzrat von Herat erklärte dagegen am Mittwoch, im Zerkoh-Tal seien 51 Zivilpersonen getötet worden, darunter Frauen und Kinder. Unter den Todesopfern seien zwölf Mitglieder einer Großfamilie, sagte der Ratsvorsitzende Mohammad Homajun Asisi, nach einer internen Untersuchung.
03.05.07// Atimes.com . Tausende aufgebrachter Menschen protestierten in den Straßen Kabuls gegen das Massaker, bei dem um die 50 Menschen getötet wurden. In der Nangarhar-Provinz wurden vier Taliban und 2 Frauen von amerikanischen Soldaten getötet. Die US-geführte Koalition insistierte darauf, daß 136 im Zerkoh Tal bei Herat getötete Menschen, Taliban gewesen seien.
April 2007
27.04.07// news.com.au/dailytelegraph. Bewaffnete Taliban haben das Distrikthauptgebäude im Girudistrikt (170 km südwestlich von Kabul) eingenommen. Sie töteten dabei den Hauptadministrator, den Polizeichef und drei Polizisten. Der Gouverneur der Ghazniprovinz, Mohammed Kazim Allahyer, sagte: „Wir sind vorbereitet ihn zurückzuerobern.“
26.04.07// www.ft.com/cms/s Lokale Regierungsbeamte in Südafghanistan haben ihre Zweifel über den Erfolg des Regierungsprogramms zur Bekämpfung des Mohnanbaus. Die Regierung in Kabul hatte gesagt, daß sie mehr Mohnfelder zerstört hätten als 2006, mehr als 21000 Hektar Mohnanbau in Kandahar und Helmand. Afghanistan hat den höchsten Anteil von Opium (90% ) am Weltmarkt. Das US Office of National Drug Control Policy sagt, daß 2006 über 172,600 Hektar Mohn kultiviert wurden.
20.04.07// AP. Innerhalb von wenigen Stunden nach dem TOd von Pat Tillman, hüllte sich eine Armeebasis in Afghanistan in SChweigen. Telefone und Internetverbindungen wurden gekappt. Wachen wurden aufgestellt, ein Sergant mußte die Uniform von Pat Tillman verbrennen. Tillmans Familie bekam 5 Wochen keine Informationen. Die Sache kommt jetzt vor den Kongreß. Henry Waxman, D-Calif., Vorsitzender des House Oversight Committee, hat ein Hearing angesetzt. „War es das Ergebnis von Imkompentenz, schlechter kommunikation oder eine beabsichtigte Strategie?“. Weder der Öffentlichkeit noch der Familie wurde etwas über die Umstände des Todes von Tillman am 22. April 2004, bekanntgegeben. Die Armee sagte, daß er bei einem Überfall getötet wurde, aber viele Soldaten wußten, daß er irrtümlich von den eigenen Kameraden getötet wurde. Fast 1100 Seiten umfaßte das Dokument, das die Army Criminal Investigation verfaßt hat.
18.04.07// The Washington Times. Der holländische BOtschafter in den USA, Christiaan Mark Johan Kroner: „Der Krieg (in Afghanistan) ist ein kritischer Test für die Glaubwürdigkeit der NATO…wenn die NATO keinen Erfolg hat, gibt das ein Desaster – nicht nur für Afghanistan und die Region sonder für die NATO selbst…Es wird sicherlich ein ein Schlag für die Glaubwürdigkeit des Westens mit der Krise umzugehen…(Die Debatte innerhalb der NATO) gibt mir momentan keine große Hoffnung, daß andere Länder der 27 Nationen der NATO-Allianz uns ersetzen werden (die holländische Mission endet im August 2008) …Ja, ich glaube, daß wir einen wirklichen Erfolg in Afghanistan haben werden. Wenn es einen Frühjahrsoffensive gibt, wird die NATO vorbereitet sein.“
04.04.07// Pajhwok Afghan News. Der ehemalige Präsident und Mitglied der Wolesi Jirga, Burhanuddin Rabbani, gab die Gründung einer Afghanistan National Front bekannt, ein Konglomereat verschiedener Parteien und Führer. Folgende Persönlichkeiten sind Mitglied: Abdul Rashid Dostum, Ahmad Zia Massoud, Ismail Khan, Yunis Qanuni, Fahim Qasim, Sayed Mansur Naderi, Ustad Mohammad Akbari, Qazi Mohammed Amin Waqad, Mustafa Zahir, Norul Haq Uloomi, Mohammad Naeem Farahi, Sediq Chakari, Sayed Mohaqmmed Gulabzoi und Taj Mohammad Wardak. Die Front tritt für ein parlamentarisches System ein und nicht für ein präsidiales. Sie tritt ein für Beachtung der UN-Resolutionen, Menschenrechte, nationale Einheit, Gleichheit der Geschlechter, Stabilität, Rekonstruktion, Demokratie innerhalb eines islamischen Kontexts, usw…
März 2007
25.03.07// Telegraph.co.uk – Usbekische Militante mit Verbindung zu Usama Bin Laden, die sich blutige Kämpfe mit Stämmen der Grenzregion Waziristan lieferten, sollen statt dessen am Aufstand der Taliban teilnehmen. Die Gruppe Union der islamischen Bewegung besteht immerhin aus 10 000 Usbeken, die von Tahir Yuldashev geführt werden. Die UIB soll Stammesführer beschuldigt haben, daß sie im Auftrag Pakistans agieren oder mit dem pakistanischen Militär zusammenarbeiten. In dem Kampf, so die pakistanische Regierung, sollen 160 Menschen getötet worden sein, 130 davon Usbeken. Talibankämpfer hätten eingegriffen, um einen Waffenstillstand auszuhandeln. Sie hätten den Usbeken angeboten sie sicher nach Afghanistan zu bringen. Nach Usbekistan können sie nicht zurückkehren, weil sie von Präsident Karimov gesucht werden. Einer der Stammesführer sagte, daß die lokalen und die Talibankräfte bereits mit den Usbeken verhandeln, daß sie ihren Jihad in Afghanistan weiterführen sollen.
20.03.07// Junge Welt/AP. Die meisten Afghanen halten die amtierende Regierung für korrupter als das Regime der Taliban. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Organisation Integrity Watch Afghanistan erklärten 60 Prozent der Befragten, die Zustände seien derzeit schlimmer als während der Sowjetherrschaft in den 80er Jahren oder unter dem Taliban-Regime in den 90ern. Mit Geld könne man Regierungsämter kaufen, die Justiz umgehen oder der Polizei entkommen, erklärte die Organisation. »In den vergangenen fünf Jahren hat die Korruption Ausmaße erreicht, die unter früheren Regierungen nicht bekannt waren«, hieß es in dem Bericht. Als korrupteste Institutionen nannten die Befragten die Gerichte und das Innenministerium.
18.03.07// International Herald Tribune, behandelt das AIDS-Problem in Afghanistan. Dort ist Muhammad Farid Bazger der HIV/AIDS Koordinator der deutschen NGO ORA International. Es gab Fälle, wo HIV von Arbeitern aus den Golfstaaten eingeführt wurde. In Kabul z.B. sind in den letzten Jahren ausländische Prostituierte tätig geworden, aber nicht nur für die Ausländer, auch die Afghanen nehmen ihre Dienste in Anspruch, gerade auch junge Afghanen, die bei ausländischen Organisationen angestellt sind und gut verdienen. Das Risiko bei den gleichgeschlechtlichen Diensten ist ebenfalls groß. Offiziell zwar geächtet, aber Mann zu Mann wird meist ohne Schutz praktiziert. Die UNO reagiert ebenfalls zu langsam. Es herrscht wohl die Auffassung, daß das Problem gering zu schätzen ist. Gesundheitsexperten warnen und fordern AIDS-Aufklärung.
17.03.07// Washington Times. 60% (30 Mio. Menschen) der afghanischen Bevölkerung sind unter 20 Jahren. Was Demokratie bedeutet wissen die wenigsten. 37 Länder, mit ganz verschiedenen Agendas, sind an dem Prozeß der Normalisierung und Rekonstruktion beteiligt. 2000 NGOs (weltweit gibt es 25000 NGOs) sind in Afghanistan repräsentiert. Privat gab ein afghanischer Politiker folgendes zum Besten: „Sie verbringen die Hälfte ihrer Zeit damit, daß sie untereinander koordinieren…Der afghanische Tango ist jetzt bekannt unter Einen Schritt vorwärts – und drei Schritte zurück.“ ‚Die Hauptstadt hatte zur Zeit des 9/11 400 000 terroristische Attacken gegen die USA, heute sind es 2 Millionen. 500 000 Morgen Land der öffentlichen Hand wurden verkauft, profitiert hat die Bürokratie. Dieses Land zu kontrollieren, würde bedeuten, daß man noch mehrere 100 000de Truppen benötigt. Die US- und die von ihnen ausgebildete afghanische Armee haben 20 000 Soldaten, projektiert waren 35000. Der Konsens der zur Zeit der Befreiung im Dezember gestaltet wurde, ist zerbrochen. Die Angst vor den B 52 Bombern ist gewichen. Das heutige Afghanistan ist vollkommen unsicher. Es wurde schon in die Reihen der „Failed States“ aufgenommen. Nur die allumfassende Opiumkultur hält Afghanistan davon ab, ins totale Chaos zu versinken.’
17.03.07// von Fajer-e Omid. Vor einer Woche begannen große Operationen der NATO (4500 Soldaten) und der Afghanischen Nationalen Armee (1000 Soldaten) gegen die Taliban in der Helmandprovinz. Die Operation wird Achilles genannt. Erreicht hat die Operation nichts großartiges. Musa Qala, Khanshin, Dishu, Garmsir und andere Gebiete der Provinz sind unter der Kontrolle der Taliban. Kürzlich sagte der Gouverneur von Helmand, Asadulla Wafa, daß sich in Musa Qala mehr als 700 Taliban befinden würden. Die Operation Achilles, die in Sangin, Nawzad und Kajaki begann, fokussiert sich immer noch auf diese Gebiete. D.h. sie sind kein Stück weitergekommen. Die Operation, die zum Ziel hatte, die talibankontrollierten Gebiete zurückzuerobern, hat es noch nicht einmal fertiggebracht, sie aus den regierungskontrollierten Gebieten zu vertreiben.
16.03.07// The Guardian. US-Soldaten töteten irrtümlich im Süden des Landes fünf afghanische Polizisten. Es ereignete sich am Polizeicheckpoint Gereshk in der Provinz Helmand. Zur Zeit geht die NATO in der Provinz mit einer Militäroffensive gegen die Taliban vor. Helmand ist das Hauptaufstandsgebiet der Taliban, aber auch Zentrum des Opium und Heroinhandels, von dem sowohl die Taliban als auch afghanische Regierungsvertreter profitieren.
06.03.077// Amerikanische Flugzeuge warfen zwei 2000lb Bomben auf ein Haus in der Kapisa Provinz im Norden von Kabul. Einen Tag zuvor hatte eine Sondereinheit in Ostafghanistan auf Zivilisten geschossen, es gab 10 Tote. Journalisten, die nach Kapisa fuhren, sagten, daß die Bombe das Haupthaus in einem Komplex mit fünf Gebäuden, pulverisiert hätte. Ein Verwandter der Opfer sagte, daß vier Kinder getötet wurden. Sie waren zwischen 6 Monate und 6 Jahre alt. Stellungnahme des US Militärs: Sie hätten auf das Haus geschossen, weil zwei Männer, die vorher eine Rakete auf die NATO Basis geschossen hätten, dorthin geflüchtet wären.
Februar 2007
22.02.07// TNI. Präsident Hamid Karzai spielt die Gefahr einer Frühjahrsoffensive der Taliban herunter. „Wer ist der Talibankommandeur Hayatullah Khan?“ Er hatte gedroht damit, daß 10 000 Taliban nur darauf warten würden, daß der Winter zu Ende geht. Er meinte, daß die Taliban keine Offensive starten könnten ohne Unterstützung von außerhalb. Talibanangriffe während in den letzten Monaten zurückgegangen, Pakistan hätte Schritte unternommen, um die Grenze zu kontrollieren. Außerdem hätten NATO und die USA hätten Truppen und Waffen in den Süden gebracht.
20.02.07// BBC News. 25000 Menschen demonstrierten dafür, daß endlich das Amnestiegesetz für Militärkommandeure verabschiedet wird. Das Unterhaus hat das kontroverse Gesetz verabschiedet, aber der Präsident hat noch nicht unterschrieben. Diejenigen Mujahedin, die während der Sowjetbesatzung kämpften und diejenigen während des Bürgerkriegs 1992-1996 sind „immun“. Wer gegen die Mujahedin ist, ist gegen den Islam und somit Feind unseres Volkes. Dies sagte (ausgerechnet, derjenige Demagoge der selbst„Dutzende Leichen im Keller hat“ Red.) Abdul Rasul Sayyaf im Stadion zu den dort versammelten Demonstranten. Sayyaf fällt nicht unter die Immunität, sondern wird der Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. An seiner Seite standen der ehemalige Präsident Burhanaddin Rabbani, Vizepräsident Karim Khalili und Energieminister Ismail Khan. Während der Warlord-Periode sind allein in Kabul 80000 Zivilisten umgekommen, andere wurden vergewaltigt, verschleppt usw. Präsident Karzai ist gegen das Gesetz, er sagte, daß bevor das Gesetz unterschreiben würde, Konsultation durchgeführt werden müßten.
20.02.07// JungeWelt. "Die Bundesregierung sichert eine »restriktive« Übermittlung der Aufklärungsergebnisse der Tornado-Flugzeuge zu. An die Operation Enduring Freedom (OEF) sollen nur dann Ergebnisse weitergegeben werden, »wenn dies zur erfolgreichen Durchführung der ISAF-Operation oder für die Sicherheit von ISAF-Kräften erforderlich ist«. Das liest sich deeskalierend, ist aber das Papier nicht wert, auf dem die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP gedruckt ist. Der Deputy Commander Security (DCOM SY) von ISAF ist gleichzeitig für die Führung der OEF-Kräfte der Task Force Counterterrorism in Afghanistan verantwortlich. Seine Anweisungen erhält er nicht vom ISAF-Kommandeur, sondern direkt vom US CENTCOM. Der DCOM SY ist verantwortlich für die Koordination der taktischen Operationen von ISAF, den Abgleich mit den OEF-Einsätzen und die Koordinierung von Luftunterstützungsoperationen mit dem ISAF Deputy Commander Air. Der Grund für die Einrichtung dieses Postens war die Stärkung der Koordination zwischen ISAF und OEF. Es ist kaum wahrscheinlich, daß der DCOM SY nicht Zugriff auf sämtliche ISAF-Informationen hat, die er ja schließlich für die Koordination der ISAF-Einsätze braucht. Mindestens über diesen Weg gelangen die deutschen Aufklärungsergebnisse an die OEF und damit an die US-Streitkräfte. ...Die Bundesregierung weiß das, besser als ich es wissen könnte. Schon wieder einmal und immer wieder: Tricksen, Täuschen, Tarnen ist und bleibt das Motto der Bundesregierung für den Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Tatsache jedoch bleibt: Den Aufklärungsflugzeugen werden die Bombeneinsätze folgen."
19.02.07/ Aljazeera.net. Die Behörde zerstört in manchen Distrikten Afghanistans den Mohnanbau. Das Programm, den Mohn unterzupflügen ist äußerst unpopulär und viele lokale Behörden weigern sich dies zu tun. Afghanische Truppen schützen die Traktorfahrer vor Angriffen der Bauern. Abdul Hakim, ein Bauer im Panjwaidistrikt, sagte, als sein Mohnanbau zerstört wurde, daß er alle Verwandten überzeugen wolle, den Taliban beizutreten. Er hatte sich für den Anbau bei örtlichen Opiumhändlern Geld geliehen, das er jetzt zurückzahlen muß. Es gibt Anzeichen, für ein Erstarken der Taliban. Gestern stürmten diese Bakwa in der Westprovinz von Farah. Es ist der zweite Distrikt, den die Taliban einnehmen, nachdem sie Musa Qala im südlichen Helmand vor zwei Wochen eingenommen haben. Einige Analysten glauben, daß die Bauern, denen die Ernte zerstört wurde, sich gegen die Regierung wenden und die Taliban unterstützen.
16.02.07// The State (South Carolina) General a.D. Victor Yermakov führte die 40th Armee in den 80er Jahren in Afghanistan, und zwar um Tora Bora. „Er kann sich nich entscheiden ob er nur den Kopf schütteln soll oder ob er weinen soll, wenn er hört, daß darüber geredet wird, wie man die Lage im Irak verbessert und wie man Afghanistan kontrolliert. Die Zukunft für die amerikanischen Streitkräfte bedeutet tote Soldaten, und sie werden für nichts sterben…Mein Rat ist ganz einfach: Haut ab, Haut ab, jetzt.“..Er verweist auf die US-Offensive in Tora Bora, als Beispiel. ‚Ich war sehr beeindruckt von den Amerikanern’, sagte er. „Die Kontrolle über Tora Bora zu bekommen ist eine große Sache. Ich sollte es wissen. Ich hatte drei Mal die Kontrolle darüber.’ Er schüttelte den Kopf bedeutungsvoll und fügte hinzu: ‚Leider, in der Sekunde, in der ich Tora Bora den Rücken zukehrte, mußte ich es wieder erobern. Jetzt ist es das Gleiche. Es wird sich niemals ändern…Jede Nation glaubt, daß sie schlauer ist als diejenige, die vor ihr da war.’ Aleander Golts, der damals den sowjetisch-afghanischen Krieg als Journalist verfolgte, meinte, daß der Krieg von Anfang an ein Fehler war, aber die Sowjetführung hätte immer darauf bestanden, dies als kleine Operation zu benennen und später als Kampf, der Frieden und Prosperität bringen würde.“
16.02.07// afp/dpa Vor der erwarteten Frühjahrsoffensive der Taliban in Afghanistan sieht die britische Expertengruppe Senlis Council das Land "auf der Kippe". Die "fehlgeleitete" Strategie der Nato führe dazu, dass den Taliban in die Hände gespielt werde, heißt es im Bericht der Organisation. Besonders im Süden Afghanistans sei ein kritischer Punkt erreicht. "Wir gewinnen die Schlachten, aber wir verlieren den Krieg", sagte die Gründungsvorsitzende des Senlis Council, Norine MacDonald. Die Bevölkerung sei unzufrieden mit dem internationalen Einsatz, unter anderem wegen der hohen Zahl der zivilen Opfer und der Vermutung, dass in Kabul eine Marionettenregierung an der Macht sei.Premierminister Tony Blair und der afghanische Präsident Hamid Karsai äußerten sich hingegen bei einem Treffen in London optimistisch über einen Sieg gegen die Taliban. Die USA wollen weitere Truppen nach Afghanistan verlegen. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, soll eine derzeit in Italien stationierte Luftlandebrigade, die ursprünglich in den Irak verlegt werden sollte, nun im Frühjahr in Afghanistan eingesetzt werden. Dadurch werde die Stärke der US-Truppen in Afghanistan bei 27.000 Mann gehalten, dem höchsten Stand seit 2001. (taz)
Januar 2007
31.01.07// AP. Es würden Angriffe der Taliban erwartet, aber die Miliz hätte an Stärke verloren und hätte auch keine Kapazitäten um eine Frühjahrsoffensive zu starten, so ein NATO-Sprecher. Zwei Tage vorher hatte der neu eingesetzte Maj. Gen. David Rodriguez gesagt, daß dieses Jahr mehr Selbstmordattentate erwartet würden. Wenn das Wetter wärmer würde, würden auch die Angriffe zunehmen. NATO-Sprecher Brig. Gen. Richard Nugee sagte jedoch, daß es die NATO Truppen seien, die die wirkliche Offensive starten würden. „Wir glauben nicht, daß es eine Frühlingsoffensive der Taliban gibt.“
18.01.07// Daily Telegraph. Präsident Hamid Karzai hat Jawed Ludin, der in GB ausgebildete Chief of Staff, seines Amtes enthoben. Ausländische Beobachter deuten dies, daß Karzai große Schwierigkeiten hat mit der Loyalität seiner Regierungsmitglieder. Es gäbe, so der DT, eine Menge Gerüchte unter den Kabinettsmitgliedern, darüber, daß einige Warlords gegen Karzai intrigieren. In den letzten Monaten hätte er von allen Seiten harsche Kritik einstecken müssen (Mitgliedern seiner Regierung, westlichen Diplomaten, Militärs der NATO): er wäre untätig gegenüber der Korruption und dem Drogenhandel während NATO und afghanisches Militär die Taliban bekämpfen müßten.
08.01.07// Press Trust of India. Präsident Karzai gab bekannt, daß er Pakistans Angebot 1000 Stipendien an afghanische Studenten für das Studium in Pakistan zu geben, abgelehnt habe. Das Angebot hatte Premierminister Shaukat Aziz gemacht. Pakistan müsse zuerst aufhören afghanische Schulen zu zerstören.
19.01.07// Reuters – Pakistans Militär verteidigt seine Glaubwürdigkeit, nachdem eine US-Drone auf ein angebliches al-Qaida-Versteck abgefeuert wurde und pakistanische Armeehubschrauber mit Raketen schossen. Ein Militärsprecher: Die Luftwaffe hätte in Südwaziristan im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, wo sich 30 Taliban versteckt hätten, angegriffen. Die Dörfler des betroffenen Dorfes Salamat Ghundi, sagten, die US-Drone hätte das Gebiet zerstört und die pakistanischen Hubschrauber hätten es noch weiter beschossen. „Das ist falsch“ sagte der pakistanische Militärsprecher Shaukat Sultan. Pakistanische Geheimdienstler sprachen anonym gegenüber Reuters, daß 20 Militante „eliminiert“ worden seien, aber es wären keine Truppen am Boden gewesen, um zu sehen, wer getötet worden sei. Die Dorfbewohner sagten, sie hätten 8 Leichen gefunden, alle wären von einer Gruppe Köhler gewesen (sie sammeln Holz um Holzkohle herzustellen). „Kein Ausländer oder Afghane wurde bei diesem Angriff getötet. Getötet wurden nur Arbeiter aus Mehsud und Angehörige des Salmanzai-Stammes“, sagte Awaz Khan, dessen Neffe und Sohn unter den Toten waren.
15.01.07// FAZ. Die Bundesregierung hat nach den Worten von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) noch nicht über eine Entsendung von Bundeswehr-Tornados nach Afghanistan entschieden. Eine Anfrage der Nato sei "in der Prüfung", sagte Frau Merkel während der CDU-Klausurtagung in Bremen. Dies wurde von Verteidigungsminister Jung (CDU) bekräftigt. Grüne und Linkspartei drohten mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, sollte die Bundesregierung den Einsatz ohne ein neues Mandat des Bundestages beschließen. Unterdessen forderte der afghanische Rebellenführer Hekmatyar (unser Bild) Frau Merkel auf, die deutschen Truppen abzuziehen. Er erwarte, daß die Kanzlerin "deutsche Söhne nicht für amerikanische Interessen opfert". Auch Deutschland sollte anerkennen, daß die militärische Niederlage des Westens in Afghanistan besiegelt sei: "Mir erscheinen die Verhältnisse vergleichbar mit der Zeit, als die Sowjetunion sich entschloß, Afghanistan zu verlassen." Bei Gefechten in der südafghanischen Provinz Helmand am Wochenende wurden ein britischer Soldat und mindestens 30 Taliban-Kämpfer getötet.
Dezember 2006
31.12.06// UPI. Britische Militärs sehen eine Gefährdung der Sicherheit, sollten die Opiumfelder durch US-Truppen zerstört werden. Die Sunday Times of London berichtete, daß die Zerstörung mittels Chemikalien auch den legitimen Feldanbau zerstören könnte und daß dies die lokalen Bauern verärgern könnte. Seine Truppen, so General Richardson würden um die Herzen und die Köpfe der Afghanen kämpfen und daß dies ein Schritt in die falsche Richtung sein werde.
29.12.06// Junge Welt. Die Bundesregierung stellt sich offenbar auf einen eskalierenden, langwierigen Krieg am Hindukusch ein. Deutsche Geheimdienste würden derzeit die Lage für Einsätze der Bundeswehr in ganz Afghanistan klären, berichtete ddp am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdienstkreise in Berlin und Kabul. »Wir gehen im Januar ins südliche Kandahar, um die Situation vor Ort für die Bundeswehreinsätze besser einschätzen zu können«, wird ein Berliner »Geheimdienstexperte« zitiert. »Zunächst« gehe es dabei nur um den Einsatz von sechs deutschen Aufklärungsflugzeugen vom Typ »Recce-Tornado«, die Ziele für Bombenabwürfe der alliierten Luftstreitkräfte im afghanischen Süden ausfindig machen sollen…. Unter Berufung auf Parlamentskreise heißt es weiter, in beiden Regierungsparteien gebe es eine »klare Mehrheit für den neuen Einsatz in ganz Afghanistan«.
22.12.06// Junge Welt. „Medienwirksam wird Verteidigungsminister Franz Josef Jung heute die Rückkehr der letzten deutschen Soldaten aus dem Kongo zelebrieren und damit seine im Sommer gegebenen Zusage einhalten, sie seien bis Weihnachten wieder bei ihren Familien. Dafür will die Bundesregierung gleich nach den Feiertagen ihre Beteiligung am NATO-Krieg in Afghanistan entscheidend ausweiten. Die in Nordafghanistan stationierten Bundeswehreinheiten sollen so rasch als möglich mit schweren Schützenpanzern vom Typ Marder aufgerüstet werden. Zudem ist die Stationierung von sechs RECCE-Tornado-Aufklärungsflugzeugen in Kabul oder im nord¬afghanischen Bundeswehrstützpunkt Masar-i-Scharif geplant. Sie sollen von dort aus im Frühjahr über den Aufstandsgebieten in Südafghanistan operieren. Wie der Spiegel in seiner heute erscheinenden Ausgabe berichtet, hat der stellvertretende NATO-Oberbefehlshaber John Reith die Flugzeuge schriftlich angefordert. Das Hamburger Magazin will vorab auch erfahren haben, daß die Bundesregierung der Anforderung zustimmen wird. Das wird indirekt durch die Aussage des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Ernot Gerler (SPD), bestätigt, es gebe »eine grundsätzliche Bereitschaft«, die Tornado-Maschinen zur Verfügung zu stellen. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministe¬riums behauptete allerdings am Donnerstag, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.“
09.12.06// taz.de – „Hat ein BKA-Beamter den von der CIA entführten Khaled El Masri in Afghanistan verhört? Das Berliner Landgericht verbietet der Zeitung "Junge Welt", über solche Spekulationen auch nur zu berichten "Maulkorb-Urteil - Nachwirkungen des Falls El Masri auf die Berichterstattung" übertitelte das Branchenmagazin Journalist in seiner jüngsten Ausgabe den Bericht über einen Fall, der nicht nur JournalistInnen beunruhigt. Das zeigte sich am Donnerstag, als vor der Pressekammer des Berliner Landgerichts über den Rechtsstreit verhandelt wurde. "Hier geht es um die Grenzen der Pressefreiheit", meinte eine Besucherin gegenüber der taz. Der BKA-Beamte im Außendienst Gerhard Lehmann hatte die Berliner Tageszeitung Junge Welt (JW) verklagt, weil die über die Aussagen des von der CIA entführten Deutsch-Libanesen Khaled El Masri berichtete. Der wollte in Lehmann jenen ominösen Sam erkannt haben, der ihn in perfektem Deutsch in Afghanistan verhört haben soll. Der Beamte hat die Beschuldigung von Anfang an bestritten, was auch in dem JW-Artikel explizit erwähnt wurde, wie der Anwalt der Zeitung vor Gericht mehrmals betonte. Das Gericht kam am Donnerstag nachträglich zu dem Schluss, dass die Berichterstattung des Blattes an diesem Punkt nicht zu rügen sei. Trotzdem gab es einer einstweiligen Verfügung statt, die dem Blatt jede Berichterstattung unabhängig vom Wahrheitsgehalt zu dem Rechtsstreit untersagt. Bei Zuwiderhandlung drohte das Gericht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro bzw. eine Ordnungshaft bis zu sechs Monaten für den Geschäftsführer der Jungen Welt an.
November 2006
27.11.06// The Independent. Die Fragile Einheit wegen Afghanistan beginnt zu brechen. Während die Regierungsvertreter eine Show zur afghanischen Einheit am morgigen Tag beim summit in Riga machen werden, stellt der belgische Verteidigungsminister die Zukunft der NATO in Frage. Den blutigsten Tag, den das Land seit vielen Wochen erlebt hat, eine Reihe von Kämpfen zwischen NATO und Taliban und ein Selbstmordattentat, hat 76 Tote gefordert und mehr als 45 Verletzte, davon viele Kinder.
27.11.06// Junge Welt. “Mitten im Winter will Deutschland in der südafghanischen Provinz Kandahar ein 4,5 Kilometer langes Stück Straße bauen lassen. Das gab die Bundesregierung am Freitag überraschend bekannt…Mit dem Schutz des Straßenbaus ließe sich vielleicht sogar der Einsatz deutscher Kampfflugzeuge über Südafghanistan rechtfertigen. Wie der "Spiegel" am 20. November berichtete, gibt es im Verteidigungsministerium Überlegungen, sechs RECCE-Tornado-Jets des Aufklärungsgeschwaders "Immelmann" mit etwa 250 Mann Bodenpersonal nach Afghanistan zu schicken. Sie sollen zwar auf dem deutschen Stützpunkt Masar-i-Scharif im Norden stationiert werden, aber Luftaufklärung über den Kampfgebieten im Süden und Osten des Landes leisten. Mit dem Schutz des deutschen Straßenbaus vor überraschenden Angriffen ließe sich das am Anfang relativ glaubwürdig bemänteln. Später könnten dann immer weitere Aufgaben hinzu kommen. Auch Kampfeinsätze, denn die Aufklärer-Version des Tornado ist mit zwei Bordkanonen ausgestattet.“
09.11.06// Aus dem Entschließungsantrag der Linksfraktion im Bundestag (Drucksache 16/3151). 1. Der Deutsche Bundestag kann keiner Verlängerung eines Einsatzes zustimmen, über den er nicht unterrichtet wird. Dies ist bei dem Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der US-geführten Operation Enduring Freedom (OEF) der Fall. Die Bundesregierung verweigert gegenüber dem Deutschen Bundestag und seinen zuständigen Ausschüssen jede Auskunft über die Einsätze des im OEF-Mandat ausddrücklich erwähnten Kommandos Spezialkräfte (KSK). …2. Die Bundesregierung hat die Vorwürfe nicht entkräften können, wonach unter dem OEF-Mandat eingesetzte bewaffnete deutsche Streitkräfte unmittelbar oder mittelbar an schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren….
01.11.06// AFP. In Afghanistan wird ein Jirga-Treffen vorbereitet. Hunderte von Vertretern sollen teilnehmen. Analysten haben schon gewarnt, daß die Jirga Forderungen stellen könnte, die für die Regierung und die internationalen Verbündeten unannehmbar sein könnten. Erwartet werden 1600 Menschen, es werden Parlamentarier darunter sein, Stammeschefs, Vertreter der Zivilgesellschaft usw. Der pakistanische Präsident Musharraf ist eingeladen. „Die Jirga wird Entscheidungen gegen die Anwesendheit der NATO-Truppen in Afghanistan treffen, oder sie sagt, daß die Regierung zurücktreten muß, oder das Parlament aufgelöst werden soll. Wird die afghanische Regierung dies akzeptieren?“ So, Nasrullah Stanikzai, Universitätsprofessor.
Oktober 2006
19.10.06// Telegraph.co.uk. Talibankommandeure gaben einen Tag nachdem sich 120 britische Soldaten aus dem strategisch wichtigen Gebiet Musa Qala in der Helmandprovinz zurückgezogen hatten, ihren Sieg über NATO-TRuppen bekannt. Dieser strategische Rückzug wurde von einem britischen Kommandeur mit den Stammesführern ausgehandelt (siehe TICKER 1.10.06).
18.10.06// foxnews. Helikopter der NATO auf Talibanjagd, griffen nachts, als die Familien schliefen, drei Häuser eines Dorfes an (in Südafghanistan) und töteten 13 Menschen, 15 weitere wurden verletzt. Wütende Dorfbewohner verurteilten die Angriffe, die die Hoffnung der NATO, die örtlichen Bewohner für ihre Counterinsurgency Kampagne zu gewinnen, in weite Ferne rücken ließ. „Ich bin kein Taliban, wir sind keine Taliban!“, schrie Gulab Shah von den Ruinen seines zerstörten Hauses.
12.10.06// Junge Welt. Neue Aussagen bestätigen, daß in einem US-Lager in Afghanistan Gefangene unter den Augen deutscher Soldaten mißhandelt wurden. In der Militärbasis in Kandahar war auch der Bremer Murat Kurnaz interniert, bevor er von der US-Armee für mehrere Jahre ins Militärlager nach Guantánamo verschleppt wurde. Das Hamburger Magazin Stern zitiert in seiner aktuellen Ausgabe einen hochrangigen Offizier des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit den Worten: »Wir haben schon gesehen, wie die Amerikaner die Gefangenen da im Lager getreten und geschlagen haben. Das war einfach schäbig.« Mit seiner Aussage habe der Offizier auch Meldungen widerlegt, das KSK sei Ende 2001 noch nicht in Afghanistan stationiert gewesen. »Ich war ab dem 10. Dezember 2001 in Kandahar«, sagte der KSK-Mann dem Vorabbericht zufolge
03.10.06// Telegraph.co.uk. Ein verrenteter Geheimdienstoffizier des ISI (Inter Services Intelligence Agency) könnte den Talibanaufstand anführen, so der pakistanische Präsident Musharraf gegenüber NBC Television. Sie würden das jetzt untersuchen. Der ISI unterstützte in den 80er Jahren den afghanischen Widerstand gegen die sowjetischen Besatzer und arbeiteten zusammen mit den Amerikanern, aber angeblich würden sie auch islamistische Gruppen in Indien unterstützen. Indien meinte, daß sie Beweise hätten, daß der ISI bei den Anschlägen auf eine Zug in Mumbai (186 Tote) beteiligt gewesen sei. Musharraf meinte, „wenn der ISI nicht mit Euch ist und Pakistan ebenfalls nicht, dann werdet ihr in Afghanistan verlieren.“
02.10.06// news.yahoo.com. Mehrheitsführer im US-Senat, Bill Frist, meinte, daß der Krieg gegen die Taliban-Guerillas niemals militärisch gewonnen werden könne, deshalb solle man sich bemühen, die Leute, die sic